Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Bericht über österreichisches Unterrichtswesen, aus Anlass der Weltausstellung 1873, II. Theil

V.  Slovenisches  Schulwesen.

539

Radmannsdorf,  für  die  südliche  Steiermark  in  Marburg,  Cilli,  Pettau,  Windisch-Peistritz
  Hauptschulen  und  in  grösseren  Orten,  wie  zu  Flitsch  im  Görzischen;
Trivialschulen  gegründet.  Auch  Mädchenschulen  wurden  errichtet  und  dieselben
den  Ursulinerinnen  anvertraut.  Die  Erziehung  in  den  Töchterschulen  wie  in
jenen  der  Knaben  sollte  auf  die  Muttersprache  gebaut  sein,  da  die  grosse
Kaiserin  zwar  den  Wunsch  allmähliger  Verbreitung  der  deutschen  Sprache  hatte,
allein  desshalb  der  Sorgfalt  für  die  anderen  Landessprachen  nicht  untreu  wurde.
Allein  das  verbesserte  „Schulwesen  Mess  das  deutsche  Schulwesen,  die
neue  Einrichtung  hiess  die  deutsche,  ihre  Lehr-  und  Hilfsbücher  Messen  die
deutschen”.
So  kam  es  denn,  dass  der  vor  Kundmachung  des  allgemeinen  Schulpatentes
festgehaltene  Grundsatz:  zwar  der  deutschen  Sprache  grössere  Verbreitung  zu
verschaffen,  dabei  aber  auch  die  Interessen  der  andern  Landessprachen,  wo  die
äussern  und  innern  Bedingungen  lebensfähiger  Entwicklung  vorhanden,  mit
rücksichtsvoller  Sorgfalt  zu  pflegen,  sich  nach  Kundmachung  desselben  in  das
Bestreben  verbildete,  das  ganze  Gewicht  nur  auf  die  Ausbreitung  der  deutschen
Sprache  zu  legen,  die  anderen  Landessprachen  dagegen  bloss  in  der  ersten
Zeit  als  nothwendiges  Uebel  und  als  Mittel  zum  Zwecke  bestehen  zu  lassen.
Während  man  mit  der  „wälschen  Sprache”  etwas  höflicher  umging  und
gestattete,  dass  der  Unterricht  der  Mädchen  von  den  Klosterfrauen  der  heiligen
Ursula  in  Görz  „lediglich  in  wälscher  Sprache”  ertheilt  werde,  erhielt  daselbst
die  Normalschule  deutschen  Charakter,  und  entwarf  Graf  Torres  eine
„vorläufige  Instruction  für  die  zween  pro  interim  in  Görz  angestellten  Lehrer
Leban  und  Petalussi,  welche  die  dazu  erforderliehen  Landessprachen  besassen,”
die  in  Wien  so  grossen  Beifall  fand,  dass  sie  mehreren  Gubernien  mitgetheilt
wurde,  „um  jene  Kinder,  so  gar  nicht  deutsch  verstehen,  zu  den  Normalschulen
vorzubereiten.”
In  Laibach  wurde  'eine  Elementarclasse  für  Kinder  eingerichtet,  welche
die  Kenntniss  der  deutschen  Sprache  nicht  vom  Hause  aus  mitbrachten,  um  sie
darin  auf  Grundlage  ihrer  Muttersprache  für  den  Eintritt  in  die  Normalschule
vorzubereiten.  Graf  Torres  wählte  sich  in  Görz  und  Gradiska  eine  Anzahl
grösserer  Ortschaften  aus,  in  welche  er  zunächst  Lehrer,  die  an  der  Normalschule ­
  in  der  deutschen  Sprache  unterwiesen  worden,  zu  setzen  gedachte.  „Wenn
alsdann  die  deutsche  Sprache  schon  gemein  im  Lande  sein  wird,  so  dass  in
jeder  der  genannten  Ortschaften  wenigstens  zwanzig  Kinder  sie  besitzen  werden,
kann  man  mit  den  Trivialschulen  vorschreiten.  Ich  nehme  mir,”  meinte  er,  „zu
dieser  glücklichen  Epoque  den  Raum  von  zwei  Jahren.”
Bald  war  es  dahin  gekommen,  dass  der  Fortschritt  der  Schulverbesserung
kaum  nach  etwas  anderem  bemessen  wurde,  als  nach  den  Erfolgen,  welche  der
deutsche  Unterricht  in  stockslavischen  Provinzen  zu  erringen  wusste.
Auch  der  Schulbücher  -  Verlag,  welchen  die  Kaiserin  Maria  Theresia  im
Jahre  1772  gründete,  hatte  zunächst  nur  die  Aufgabe,  die  Herstellung  von
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.