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Full text: Bericht über österreichisches Unterrichtswesen, aus Anlass der Weltausstellung 1873, II. Theil

A. Volksschulen. 
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ähnlich waren), und hierauf überging' man sogleich zum Lesen der Kirchen 
bücher. Namentlich waren von diesen das Horarium (Ciasoslov) und das 
Psalmenhuch (Psaltire) in Gebrauch. 
Die österreichische Regierung entwickelte einen grossen Eifer für die 
Hebung des Volksschulwesens, und die von Maria Theresia und Joseph II. getrof 
fenen Anordnungen kamen auch diesem Kronlande zu Gute. 
Namentlich verdient in dieser Beziehung die Thätigkeit der Militär 
administration hervorgehoben zu werden, welche ausgezeichnete Massregeln 
ergriff, um geordnete Schulzustände herbeizuführen: es wurden Lehrer, die der 
rumänischen Sprache kundig waren, aus Siebenbürgen berufen; die Abfassung 
neuer Lehrbücher wurde angeordnet, in Czernowitz wurde eine Normal- und 
in Suczawa eine Hauptschule errichtet, die zugleich die Aufgabe hatten, Lehrer 
für die Gemeindeschulen auszübilden; den Lehramts-Candidatcn wurden Stipendien 
in namhaften Beträgen verliehen u. s. w. Die Folge dieser vortrefflichen 
Anordnungen war, dass nach und nach auch in anderen Gemeinden Schulen 
errichtet werden konnten, so dass im Jahre 1786 ausser den bereits genannten 
vierclassigen Schulen und den Schulen in den magyarischen Gemeinden, bereits 
sechs einclassige Schulen bestanden und die Errichtung von mehr als zwanzig 
angehahnt war. 
Mit der Errichtung von Volksschulen hielt auch die Abfassung und Ein 
führung von rumänischen Schulbüchern gleichen Schritt. 
Als Fibel (Namenbuch) wurde die in Ofen-Pest erschienene „Bucoavna!’ 
eingeführt. 
Bald nach der Errichtung einer Buchdruckerei in Czernowitz erschienen 
daselbst: 
1. Eine Uebersetzung des damals im Gebrauche stehenden deutschen Lese 
buches; 
2. Eine Uebersetzung der Anleitung zu schriftlichen Aufsätzen; 
3. Eine rumänische Sprachlehre mit deutschem Texte, herausgegeben vom 
Czernowitzer Hauptschul-Director und späteren Kreis-Schulaufseher Anton 
de Marki. 
Ferner erschien 1785 in der k. k. Hofbuchdruckerei in Wien eine Leber 
setzung der „Anleitung zur Rechenkunst”. 
Durch die angeführten Massregeln wurde das V olksschulwesen im Lande 
begründet. Die weitere Entwicklung desselben entsprach jedoch keineswegs 
diesem erfreulichen Anfänge. 
Hauptsächlich müssen die beiden Thatsachen, dass die Bukowina im Jahie 
1786 mit Galizien vereinigt wurde, und dass die Schulaufsicht dem lömisch- 
katholischen Metropolitan - Consistorium in Lemberg übertragen wurde, als 
Ursachen des Rückschrittes in der Entwicklung des V olksschulwesens bezeichnet 
werden. Die rege Thätigkeit der Militärbehörden für die Hebung der Cultur 
im Lande hörte nun nach und nach auf; der Zwang zur Schulerrichtung wurde
	        
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