MAK

Full text: Bericht über österreichisches Unterrichtswesen, aus Anlass der Weltausstellung 1873, II. Theil

1. Allgemeine Grundsätze. 
577 
Diese Erwägungen haben dahin geführt, die länglich rechteckige Form 
des Schulzimmers als die beste anzuerkennen, wozu noch der günstige Umstand 
kömmt, dass die Stimme in einem oblongen Raum besser gehört wird, als in 
einem quadratischen, wesshalb auch der um 30 Centimeter erhöhte llatz des 
Lehrers stets an der fensterlosen Schmalseite des Raumes sein wird. 1 ) 
Das Anbringen des Lehrersitzes an einer Langwand hat den grossen 
Nachtheil, dass die Kinder sehr nahe am Lehrer und in einer langen Linie 
zerstreut sitzen, wesshalb er sie nicht übersehen kann; ferner spiegeln hei 
solcher Anordnung für die zu weit rechts und links sitzenden Schüler die 
Tafeln in solchem Masse, dass sie das darauf Geschriebene nicht zu lesen 
vermögen. 
Was nun die festzustellenden Dimensionen des Raumes betrifft, so wird 
die Erfahrung durch die Theorie bestätiget, dass man bei der unseren Bau 
verhältnissen ganz entsprechenden Tracttiefe von 18'—20' (6-3 —6-5 Meter), 
und linksseitigem genügenden Lichteinfall die rechtsseitigen Parthien des Lehi- 
zimmers noch ausreichend zu beleuchten vermag. 
Nimmt man sonach diese, durch natürliche Eactoren bedingten Dimensionen 
von 8-5 — 9 Meter Länge und 6 Meter Tiefe des Schulzimmers als Basis an, 
so wird der Elächenraum nahezu 50Q M. betragen, was immerhin einer 
Schülerzahl von über 50 entspricht, wobei ausser den Subsellien noch Raum 
für Unterrichtsbehelfe, Lehrersitz, Ofen etc. bleibt.'- 2 ) 
Die Grösse der Fenster berechnen Bautechniker mit einem Drittel der 
gesammten Wandfensterfläche; Dr. Cohn verlangt für jeden Schüler 300n" Glas. 
Die 43. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte zu Innsbruck 1869 
hat diese Forderung auf 360 — 400D" erhöht. Unsere Erfahrung stimmt mit 
der ersten Angabe überein, und wünschen wir hohe, nicht gothisch oder rund- 
bogig, sondern gerad abgeschlossene Fenster, wie auch mit Holz verkleidete 
Brüstungsmauern (Parapete), weil die in der Nähe derselben sitzenden Kinder 
sonst empfindlich durch die W interkälte leiden. 
Es bedarf kaum der Erwähnung, dass wir überall Doppelfenster fordern; 
wenn aber des tückischen Zuges wegen auch Fensterpolster beantragt werden, 
so ertragen wir desshalb gerne den Vorwurf pedantischer Wichtigthuerei, da 
1) Bei diesen und den folgenden Erörterungen vergleiche man das den Abbildungen beige- 
gebene Normal-Muster-Sehulzimmer sammt Einrichtung. 
2) Die unterschiedlichen Decrete in manchen Staaten zu Gunsten des Pferchsystems d. h des 
Unterbringens von 80-100 Kindern in einem Schulzimmer sind zum Glucke schon selten Jeder 
redliche Lehrer wird zugeben müssen, er könne mit allem Aufwande seiner Kräfte höchstens 
SO Kinder zweckentsprechend unterrichten. .. . 
Bei starker Schülerzahl und demgemäss grossen Raumdimensionen sind die rückwärts sitzenden 
Kinder, da sie eben wenig oder nichts sehen, schlecht hören und auch vom Lehrer nicht beauf 
sichtigt werden können, nicht mehr im Stande, dem Unterrichte zu folgen; vielmehr stören sie 
beständig und werden förmlich gezwungen, das Faullenzen auf der Schulbank ganz professions- 
massig zu erlernen. — — 
II. 
37
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.