Keiner so guten Räumlichkeiten, wie die eben genannten Schulen erfreut
sich die k. k. Lehrer-Bildungsanstalt in Bozen. Schon der Umstand, dass
die Arcaden des Unterbaues als städtisches Spritzenhaus verwendet werden,
ja sogar noch anderen Zwecken dienen, wirkt störend auf die Vertheilung der
eigentlichen Schullocalitäten, abgesehen davon, dass auch die Anlage der Aborte
ohne Pissoirs ungenügend ist.
h) Steiermark ist durch die Pläne der k. k. Ober-Realschule in
Marburg und durch die grossartigen Entwürfe zur Grazer Universität
vom Architekten Horky vertreten.
Das Marburger Ober - Realschul-Gebäude nimmt den Elächenraum eines
Rechteckes von etwa 60 Meter Länge und 30 Meter Breite ein und beherbergt
ausser den sehr gut angelegten Realschul-Localitäten auch eine Knabenschule
mit sechs Lehrzimmern und zugehörigen Nebenräumen, allerdings mit separaten
Eingängen und Stiegen. Ebenerdig sind sechs Realschul-Lehrzimmer, die
Chemie-Localitäten, so wie der Portier untergebracht. Im ersten Stockwerke
die naturwissenschaftlichen Cabinete, drei Lehrsäle der Realschule, Conferenzzimmer
sammt Kanzlei, zugleich aber auch drei Knabenschulzimmer mit Bibliothek
und Conferenzsaal. Das zweite Geschoss enthält die andern Realschul-Localitäten,
die Directorswohnung, ferner wie im ersten Stockwerke drei
Knabenschulzimmer mit einem Lchrmittel-Depositorium. Die Stiegenanlagen,
Aborte mit Pissoirs, sowie die Beleuchtung und Normaldimension der Schulzimmer
sind tadellos. Dafür entbehrt das Schulhaus eines Turnsaales, und sind
nicht nur das Schüler-Laboratorium, sondern auch der Modellirsaal im Kellergeschoss
untergebracht.
Was den Bau der Universität Graz betrifft, so kann selbstverständlich
hier von einer erschöpfenden Besprechung der Entwürfe Horky’s nicht die
Rede sein, und müssen wir uns auf einige allgemeine Daten beschranken.
Die grossartige Anlage zerfällt in drei selbstständige Gebäude, wovon das
mittlere oder der eigentliche Hauptbau eine Länge von 140 Meter bei einer
Breite von 80 Meter hat und rechts von dem chemischen, links vom physikalischen
Institute flankirt wird. Jedes dieser Gebäude bedeckt eine rechteckige
Area von 38 Meter Länge und 24 Meter Breite, und ist zu bemerken,
dass der Centralbau zweistöckig, die eben genannten Institute aber einstockig
gedacht wurden. Das Hauptgebäude schliesst drei Höfe in sich und ist im
vordem stark vorspringenden Theile durch den schönen von korinthischen
Säulen getragenen Giebelbau ausgezeichnet, der hinwieder von einer Kuppel
bekrönt wird und den Hauptraum der Hochschule, die Aula, auch ausserlich
zur würdigsten Anschauung bringt. In dem gehobenen Erdgeschoss befinden
sich die imposanten Anlagen des Yestibules, der Corridore und der 3-5 Meter
breiten Stiege. Nach vorne zu sind im Mittelgebäude ein Hörsaal, Conferenzsäle
und Dienerwohnungen, im rückwärtigen Tracte die Bibliothek untergebracht,
welche letztere alle Stockwerke einnimmt und grossartig entworfen ist. Im