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Full text: Bericht über österreichisches Unterrichtswesen, aus Anlass der Weltausstellung 1873, II. Theil

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Anhang: II. Schulbibliotheken. 
(§. 44 des Reichs-Volksschulgesetzes vom 14. Mai 1869) den Bezirks-Lehrer- 
Bibliotheken einverleibt werden dürften, da in diesem Gesetze ausdrücklich 
gesagt wird: 
„In jedem Schulbezirke ist eine Lehrerbibliothek anzulegen; mit der Verwaltung 
derselben wird eine von der Bezirks - Lehrerconferenz gewählte Commission betraut. Die 
Dotation der Bezirks-Lehrerbibliotheken hat nach dem Landesgesetze vom Jahre 1870, 
betreffend die Errichtung, Erhaltung und den Besuch der öffentlichen Volksschulen, der 
Schulbezirk zu bestreiten; doch kann auch von den Lehrern des Bezirkes ein Bibliotheks 
beitrag und zwar mit einem halben Percent des Jahresgehaltes eingehoben werden.” 
Endlich muss noch einer Kategorie von Bibliotheken Erwähnung geschehen, 
welche an einzelnen Schulen mit der Sehulbibliothek im Schulhause unter 
gebracht sind und unter dem Kamen Landwirthschafts-Bibliotheken theils 
von der Regierung, theils von Vereinen angelegt wurden. Sie enthalten, wie 
schon ihr Name sagt, solche Werke, welche für Landwirthe von besonderer 
Wichtigkeit sind, so beispielsweise über Verbesserung des Acker- und Wein 
baues, der Viehzucht etc. 
An den meisten Volks- und Bürgerschulen wurde mit der Errichtung 
von Schulbibliotheken in den letzten zehn Jahren begonnen, und erst in 
der Verordnung des k. k. Ministeriums für Cultus und Unterricht vom 
20. August 1870 ist eine solche für jede Schule vom Staate gefordert 
worden. Aber es ist die gewiss sehr erfreuliche Thatsache zu bemerken, dass 
durch die Initiative einzelner Lehrer, Lehrkörper und Schulfreunde schon weit 
früher Schulbibliotheken gegründet worden sind. So wurde an der Wiener 
Volksschule für Mädchen im VII. Bezirk (Neubau) bereits im Jahre 1849 durch 
den Bürger und Ortsschul-Aufseher, Herrn Joh. Hell, eine Bibliothek für das 
Lehrpersonale dieser Schule errichtet, welcher sich 1872 die von dem Bürger 
Herrn Mathias Salcher gegründete Schülerbibliothek für dieselbe Lehranstalt 
anschloss. Ebenso entstand die Schulbibliothek an der städtischen Volksschule 
zu St. Michael im I. Bezirk, welche gleich ursprünglich als Lehrer- und 
Schülerbibliothek eingerichtet ward, bereits im Jahre 1854 durch freiwillig 
geleistete Beiträge der Mitglieder des Lehrkörpers und mit Unterstützung 
des Bürgers und Schulaufsehers Joh. Georg Steiger, welcher bei seinem 
Ableben dieser Bibliothek die Summe von 500 fl, C. M. widmete. Dermalen 
besitzt diese Bibliothek nahezu 2000 Bände. — In das Jahr 1862 fällt die Er 
richtung der Schulbibliothek an der Wiener evangelischen Schule, welche 
von der evangelischen Cultusgemeinde eine Jahresdotation von 150 fl- 
bezieht und schon 3642 Bände enthält, wovon 3254 der Lehrer- und 388 der 
Schülerbibliothek gehören. Auch die Bibliothek der Lehrer des IV. und V. Wiener 
Schulbezirkes, sowie jene des Lehrervereines „Volksschule” (gegründet 1863) 
stammen aus früherer Zeit. Letztere zählt 780 Bände. Beide wurden gleich der 
Lehrerbibliothek im IX. Wiener Schulbezirke von den Lehrern selbst errichtet 
und verwaltet. Die in Oesterreich erscheinenden, sowie die hervorragendsten 
deutschen pädagogischen Zeitschriften werden in diese Bibliotheken aufgenommen.
	        
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