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Anhang: II. Sclmlbibliotheken.
Eine hervorragende Thätigkeit entfaltete auch der deutsche Verein zur
Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse in Prag in Bezug auf die Errich
tung von V olksschul-Bibliotheken. Bei der Zusammenstellung der empfehlens-
werthen Bücher wurden drei Kategorien von derartigen Büchereien aufgestellt,
(zu 20, 40 und 60 fl.), so dass selbst die ärmste Gemeinde in die Lage gesetzt
wird, ihrer Schule eine, wenn auch kleine, so doch ausgewählte Bibliothek zu
verschaffen, welche dem dringendsten Bedürfnisse zu genügen vermag. In der
kurzen Zeit eines halben Jahres wurden 225 Schulbibliotheken gegründet,
welche die stattliche Zahl von 15.000 Bänden repräsentiren. Ueberhaupt ist
zu erwähnen, dass von den 4105 Volksschulen Böhmens nahezu die Hälfte,
nämlich 1502 Schulen, bereits Schulbibliotheken besitzen.
Es ist gegenwärtig nicht möglich, sämmtliche Schulen, welche schon mit
Bibliotheken versehen sind, hier aufzuzählen. Nur muss constatirt werden,
dass Lehrer und Schulfreunde für die Herstellung solcher eifrig bemüht sind.
Es wird auch eine der wichtigsten Aufgaben der österreichischen Schul
behörden bleiben, den Schulbibliotheken fortan die vollste Aufmerksamkeit und
Sorgfalt zuzuwenden, damit ihre Errichtung und Erweiterung immer mehr
angeregt und gefördert werde. Dabei wird stets berücksichtiget werden müssen,
dass nur solche Bücher Aufnahme finden, welche dem humanen Geiste ent
sprechen, der in den neuen österreichischen Schulgesetzen waltet, deren Devise
mithin die Pflege des allgemein Menschlichen ist.
Damit aber bei der Auswahl der Bücher Eehlgriffe vermieden werden,
muss das TJrtheil derjenigen Männer, die sich die Erziehung und Bildung der
Jugend zur Lebensaufgabe gestellt haben, nicht nur gehört, sondern auch
beachtet werden. Sind erst an allen Schulen ausreichende Büchersammlungen
gediegenen Inhaltes vorhanden, wie es im neuen Schulgesetze ausgesprochen
ist, dann wird auch zum Wöhle des gesammten Volkes jene verwerfliche Roman-
lectüre verschwinden, deren Inhalt so manches jugendliche Herz vergiftet
und der Jugend die Lust zu ernsterer geistiger Beschäftigung geraubt hat; dann
wird auch die Privatlectüre der Schüler, in der richtigen Weise geregelt und
geleitet, nicht wenig dazu beitragen, den Sinn für alles Hohe und Edle immer
mehr zu entwickeln und zu rechter Thatkraft zu entflammen.
Eine sehr lehrreiche Aufgabe wäre eine übersichtliche Darstellung der in
den österreichischen Volksschulbibliotheken bereits verbreiteten Literatur.') Aber
wenn auch eine solche unter den noch ungeordneten Verhältnissen möglich
wäre, so verbietet es der diesem Berichte zugemessene Baum.
I) Die Collectiv - Ausstellung von österreichischen Unterrichtsmitteln enthält eine Normal-
Dibliothek für Volks- und Bürgerschulen, zusammengestellt durch Director Fr. Bobies.