B. Für Mittelschulen.
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B. Für Mittelschulen.
Bericht von Professor Karl Greistorfer in Wien.
Der Organisations - Entwurf für Gymnasien und Realschulen schreibt es
als dringend wünschenswerth vor, dass an jeder Mittelschule eine Schtilei-
Bibliothek, getrennt von der Lehrer-Bibliothek, bestehe und eine iegel-
mässige Erweiterung erfahre. Gegenwärtig ist die Institution dei Schüler-
Bibliothek wohl schon an den meisten österreichischen Mittelschulen ganz oder
theilweise durchgeführt.
Die Mittel zur Erhaltung und Vermehrung der Bibliothek werden ge
nommen :
1. Aus dem allgemeinen Lehrmittel-Fonde, d. i. aus den Aufnahmstaxen
der neu eintretenden Schüler ä 2 fl. 10 kr. Von der Gesammtsumme be
stimmt der Lehrkörper alljährlich einen den Bedürfnissen und Verhältnissen
der Lehranstalt möglichst entsprechenden Theilbetrag zur Verwendung für
die Schüler-Bibliothek.
2. Aus der Jahresdotation, die für sämmtliche Staats-Mittelschulen solcher
Orte, wo weder aus früherer Zeit eine Lyceal-Bibliothek, noch eine Uni
versitäts-Bibliothek besteht, im Betrage von je 52 fl. systemisirt ist und
für dieZwecke sowohl der Lehrer- als der Schüler - Bibliothek verwendet
wird.
3. Aus den an sehr vielen Mittelschulen üblichen, von allen Schülern (aus
genommen sind die ärmeren und die vom Schulgeld befreiten) zu ent
richtenden Beiträgen (Lesegeldern) ä 30 kr. bis 1 fl. pr. Semester. Der
Gesammtbetrag fällt der Lehrer- und Schüler-Bibliothek zu.
4. Aus den ebenfalls der Lehrer- und Schüler-Bibliothek zu Gute kommenden
Taxen für die Ausfertigung von Zeugniss-Duplicaten.
Zn diesen regelmässigen Geldeinnahmen kommen dann hie und da noch
aussergewöhnliche, z. B. Beiträge aus dem Studienfonde, Staats - Subventionen,
städtische Renten, freiwillige Collecten der Schüler, der Ertrag inusikahscli-
declamatorischer Productionen bei Schultesten u. a.
Aus dem Bisherigen geht hervor, dass die Summe der für die Schüler-
Bibliothek zu verwendenden Geldmittel sich an jeder Lehranstalt anders be
ziffern wird. Berücksichtigt man dazu noch den Umstand, dass manche Mittel
schulen, resp. Gymnasien, aus der mitunter Jahrhunderte langen Zeit ihres Be
standes einen reichen Grundstock für die Schüler-Bibliothek mitgebracht haben,
so sind hiemit die bedeutenden Abstände in den Zahlen der Bände emze ner
Bibliotheken hinlänglich erklärt. Den zwei Bibliotheken mit mehr als je oO
Bänden (in Kremsmünster und Melk), denen sich mehrere mit 3000 - 4000
Bänden anreihen, stehen sehr viele Bibliotheken von nur etlichen 100 Banden