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Anhang: II. Sehulbibliotheken.
gegenüber. Da es jedoch bei Bibliotheken dieser Gattung weitaus weniger
auf die Grösse und Mannigfaltigkeit, als vielmehr auf die sorgsame Aus
wahl der Sammlung ankommt, und dazu noch in gegenwärtiger Zeit der nie
drige Preis der für die Schule am meisten in Betracht kommenden Werke
deutscher Classiker auch den ärmeren Schülern den Ankauf derselben aus
eigenen Mitteln ermöglicht, so kann mit den eben angedeuteten Geldzuflüssen
wohl an jeder österreichischen Mittelschule der pädagogisch-didaktische Zweck
der Schüler-Bibliothek erreicht -werden, und es betreffen etwaige Klagen über
die Unzulänglichkeit der Dotation am häufigsten die Lehrer-Bibliothek.
Die Verwendung der für die Schüler-Bibliothek bestimmten Mittel geschieht
auf Vorschlag irgend eines Lehrers durch Beschluss des Lehrkörpers. An man
chen Mittelschulen wird dieses immerhin mit einigem Zeitaufwande verbundene
Verfahren dadurch abgekürzt, dass der den Ankauf eines Buches beantragende
Lehrer den Titel desselben in das sogenannte „Wünschebuch” einträgt; wird
dann der Vorschlag durch die Namens-Unterschriften anderer Lehrer unterstützt,
so wird das Buch angekauft.
Die Auswahl der Bücher richtet sich nach dem Zwecke der Schüler-
Bibliothek, die dafür zu sorgen hat, die classischen Schriften der Muttersprache
und Werke, welche auf eine den Schülern angemessene Weise zur Erweite
rung und Belebung des Inhaltes der einzelnen Lehrgegenstände, namentlich
der Geschichte, Geographie, Naturgeschichte, Physik dienen, den Schülern
zugänglich zu machen. Schüler - Bibliotheken an nichtdeutschen Schulen sollen
namentlich solche Bücher anschaffen, welche das Interesse an deutscher Lectüre
zu wecken geeignet sind. An einigen Schulen werden auch noch Lehr- und
Ililfsbücher (grössere Wörterbücher, Atlanten) angeschafft und ärmeren Schülern
zur Benützung überlassen.
Die Verwaltung der Bibliothek (Anschaffung, Aufstellung, Katalogi-
sirung der Bücher, Beaufsichtigung ihrer Entlehnung) übergibt der Director
einem Lehrer der Anstalt, am häufigsten dem Lehrer des Deutschen an den
oberen Classen; dieser hat dann auch für den unversehrten Bestand der Samm
lung die Verantwortung zu tragen.
Was die Gruppirung der Büchersammlung nach den Classenstufen betrifft,
so ist das System der Classenbibliothek kaum irgendwo stricte durchgeführt;
die meisten Schulen ziehen es vor, die Bibliothek bloss nach den zwei Haupt-
abtheilungen für die unteren und die oberen Classen zu scheiden; an vielen
Schulen ist auch die Unterscheidung dieser Stufen nicht angenommen. —
Die Benützung der Bibliothekist nicht überall den Schülern aller Classen
gestattet; an vielen Anstalten sind die Schüler der zwei untersten Classen davon
entweder ganz ausgeschlossen, öderes ist ihnen diese nur in einem beschränkten
Masse gewährt.
Die letztere Einrichtung stützt sich einerseits auf die schon öfters gemachte
Erfahrung, dass die Anfangsschüler, abgesehen von ihrer noch geringen Be-