B. Für Mittelschulen.
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fähigung zur selbstständigen und nutzbringenden Lectüre, durch diese nur allzu
leicht von der Erfüllung der gegenwärtig ohnehin gesteigerten Unterrichts-Forderungen
abgezogen werden, andererseits gründet sie sich auf die Ei wägung,
dass auf den untersten Classenstufen allein schon der deutsche Unterricht durch
den Inhalt des Schullesebuches für freie Anregung und Belebung des jugendlichen
Interesses ausgiebig zu sorgen im Stande ist.
Noch verschiedener und fast an jeder Schule anders gestaltet sich der
Modus bei der Entlehnung von Büchern. Wo für jede einzelne Classe ein
eigenes Bücherverzeichniss vorliegt, sind schon durch dieses dem Schüler Anhaltspuncte
und Grenzen für die Auswahl der Bücher gegeben; aber auch in diesem,
noch mehr im entgegengesetzten Falle tritt noch der Bibliothekai oder ein
anderer in der Classe beschäftigter Lehrer mit seinem Käthe ein, um den
Schüler unter gehöriger Berücksichtigung der individuellen Anlage und Neigung
bei der Auswahl zu leiten.
Nach einer am meisten verbreiteten Einrichtung erhält dann der Schüler
in der festgesetzten Bikliotheksstunde gegen Abgabe eines Yormerkscheines das
Buch vom Bibliothekar, der in der Besorgung des Ausleihegeschäftes an Schulen
mit starker Frequenz von einem und dem anderen Collegen unterstützt wird.
In der Regel wird nur je ein Buch und zwar zur Benützung über Haus
verabfolgt; die Ausleihefrist dauert 8 — 14 Tage. Wo es ein Lesezimmer gibt
(wie am akademischen Gymnasium in Wien) ist es an Sonn- und Feiertagen,
bisweilen auch an einem freien Nachmittage der Woche durch 2 — 3 Stunden
offen; es gehört aber der Bestand eines Lesezimmers zu den seltensten Ausnahmen.
Der Grund dieser Erscheinung liegt nicht nur darin, dass die
allerwenigsten Schulgebäude eine hiefür passende Localität haben, sondern auch
in der Erfahrung, dass der Zweck des Lesens viel besser durch die häusliche
Benützung der Bücher erfüllt wird. —
Die durchschnittliche Ziffer der Entlehnungsfälle im Jahre könnte nur für
einzelne Lehranstalten mit Sicherheit angegeben werden; im Allgemei
wird anzunehmen sein, dass auf jeden Schüler im Maximum ungefähr 8
Entlehnungsfälle im Jahre kommen.
Wie sich die bisher nur im Allgemeinen angedeuteten Verhältnisse der
Schülerbibliothek an einzelnen Lehranstalten gestalten, kann aus nachstehenden
Daten ersehen werden, welche den in der Unterrichts - Ausstellung aufliegenden
Bibliothekskatalogen der beiden k. k. Gymnasien in Pilsen und in
Eger, mitgetheilt von den dortigen Directoren B. Bayerl und Johann Lissner,
entnommen sind. .
Die Büchersammlung des Gymnasiums in Pilsen (enichtet im Jahre
— Schülerzahl circa 300) enthält 2654 Bände; der alljährliche Betrag zur
Anschaffung der Bücher beläuft sich auf circa 100 fl., der jährliche Zuwachs
an Büchern auf circa 40 Bände. Die Bücher sind in zwei Gruppen geschieden,
von denen die eine bestimmt ist, den Kreis der jugendlichen Anschauungen