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Full text : Bericht über österreichisches Unterrichtswesen, aus Anlass der Weltausstellung 1873, II. Theil

B.  Für  Mittelschulen.

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fähigung  zur  selbstständigen  und  nutzbringenden  Lectüre,  durch  diese  nur  allzu
leicht  von  der  Erfüllung  der  gegenwärtig  ohnehin  gesteigerten  Unterrichts-Forderungen
  abgezogen  werden,  andererseits  gründet  sie  sich  auf  die  Ei  wägung,
dass  auf  den  untersten  Classenstufen  allein  schon  der  deutsche  Unterricht  durch
den  Inhalt  des  Schullesebuches  für  freie  Anregung  und  Belebung  des  jugendlichen ­
  Interesses  ausgiebig  zu  sorgen  im  Stande  ist.
Noch  verschiedener  und  fast  an  jeder  Schule  anders  gestaltet  sich  der
Modus  bei  der  Entlehnung  von  Büchern.  Wo  für  jede  einzelne  Classe  ein
eigenes  Bücherverzeichniss  vorliegt,  sind  schon  durch  dieses  dem  Schüler  Anhaltspuncte
  und  Grenzen  für  die  Auswahl  der  Bücher  gegeben;  aber  auch  in  diesem,
noch  mehr  im  entgegengesetzten  Falle  tritt  noch  der  Bibliothekai  oder  ein
anderer  in  der  Classe  beschäftigter  Lehrer  mit  seinem  Käthe  ein,  um  den
Schüler  unter  gehöriger  Berücksichtigung  der  individuellen  Anlage  und  Neigung
bei  der  Auswahl  zu  leiten.
Nach  einer  am  meisten  verbreiteten  Einrichtung  erhält  dann  der  Schüler
in  der  festgesetzten  Bikliotheksstunde  gegen  Abgabe  eines  Yormerkscheines  das
Buch  vom  Bibliothekar,  der  in  der  Besorgung  des  Ausleihegeschäftes  an  Schulen
mit  starker  Frequenz  von  einem  und  dem  anderen  Collegen  unterstützt  wird.
In  der  Regel  wird  nur  je  ein  Buch  und  zwar  zur  Benützung  über  Haus
verabfolgt;  die  Ausleihefrist  dauert  8  —  14  Tage.  Wo  es  ein  Lesezimmer  gibt
(wie  am  akademischen  Gymnasium  in  Wien)  ist  es  an  Sonn-  und  Feiertagen,
bisweilen  auch  an  einem  freien  Nachmittage  der  Woche  durch  2  —  3  Stunden
offen;  es  gehört  aber  der  Bestand  eines  Lesezimmers  zu  den  seltensten  Ausnahmen. ­
  Der  Grund  dieser  Erscheinung  liegt  nicht  nur  darin,  dass  die
allerwenigsten  Schulgebäude  eine  hiefür  passende  Localität  haben,  sondern  auch
in  der  Erfahrung,  dass  der  Zweck  des  Lesens  viel  besser  durch  die  häusliche
Benützung  der  Bücher  erfüllt  wird.  —
Die  durchschnittliche  Ziffer  der  Entlehnungsfälle  im  Jahre  könnte  nur  für
einzelne  Lehranstalten  mit  Sicherheit  angegeben  werden;  im  Allgemei
wird  anzunehmen  sein,  dass  auf  jeden  Schüler  im  Maximum  ungefähr  8
Entlehnungsfälle  im  Jahre  kommen.
Wie  sich  die  bisher  nur  im  Allgemeinen  angedeuteten  Verhältnisse  der
Schülerbibliothek  an  einzelnen  Lehranstalten  gestalten,  kann  aus  nachstehenden
Daten  ersehen  werden,  welche  den  in  der  Unterrichts  -  Ausstellung  aufliegenden
  Bibliothekskatalogen  der  beiden  k.  k.  Gymnasien  in  Pilsen  und  in
Eger,  mitgetheilt  von  den  dortigen  Directoren  B.  Bayerl  und  Johann  Lissner,
entnommen  sind.  .
Die  Büchersammlung  des  Gymnasiums  in  Pilsen  (enichtet  im  Jahre
—  Schülerzahl  circa  300)  enthält  2654  Bände;  der  alljährliche  Betrag  zur
Anschaffung  der  Bücher  beläuft  sich  auf  circa  100  fl.,  der  jährliche  Zuwachs
an  Büchern  auf  circa  40  Bände.  Die  Bücher  sind  in  zwei  Gruppen  geschieden,
von  denen  die  eine  bestimmt  ist,  den  Kreis  der  jugendlichen  Anschauungen
            
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