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Full text: Bericht über österreichisches Unterrichtswesen, aus Anlass der Weltausstellung 1873, II. Theil

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Anhang. 
weites Gebiet umspannen und sich auf den oft nur wenigen Blättern eines 
Programms nicht entfernt erschöpfen lassen, sondern leicht zu oberflächlicher 
Behandlung verleiten. Die bescheidenste, wenn nur gewissenhaft ausgeführte 
Detailuntersuchung hat ihren Werth, und sei es auch bloss, insoferne durch 
dieselbe Bausteine für die wissenschaftliche Arbeit im grossen Stile zusammen 
getragen werden. Vorzügliche Berücksichtigung aber verdienen wieder Gegen 
stände localer Katur, Beiträge zur Geschichte der Stadt oder des Landestheiles, 
in welchem sich die Anstalt befindet, und insbesondere die Geschichte der 
Schule selbst, meteorologische Beobachtungen, Mittheilungen über die Plora und 
Fauna der Bmgegend, also Stoffe, die mehr oder weniger nur an Ort und 
Stelle bearbeitet werden können und dazu angethan sind, auch das Interesse des 
Publicums, der Schüler und Eltern zu fesseln. Die österreichischen Schulen 
haben in der That eine Reihe derartiger Arbeiten geliefert, denen vielfach 
die Anerkennung der Kritik zu Theil geworden ist. Jede Mittelschule sollte 
die Darstellung der eigenen Geschichte als Ehrensache betrachten, wie sich 
denn auch bereits viele mit grösserem oder geringerem Glücke an dieser Aufgabe 
versucht haben. Was sich überhaupt auf solchem Boden durch das Ineinander 
greifen tüchtiger Kräfte leisten lässt, zeigen die schätzenswerthen Publicationen 
der Siebenbürger Sachsen 1 ). Dem Philologen stehen zwar Stoffe von so all 
gemeiner Anziehungskraft weniger zu Gebote; indessen wird es auch ihm an 
passenden Aufgaben nicht fehlen, an denen er seine Kraft erproben mag, und 
wenn es auch nur die Anbahnung des richtigeren Verständnisses einer einzelnen 
Classikerstelle ist. Aehnlich auf andern Gebieten. Mangelt es jedoch an 
einer geeigneten Arbeit, so wäre es immerhin besser, ein und das andere Jahr 
auszusetzen und vielleicht in einem folgenden durch eine umfassendere Schrift 
Ersatz zu bieten. Dass auch die eigentlichen Schulnachrichten, welche aller 
dings in manchen Fällen auf ein knapperes Ausmass reducirt werden könnten, 
ihren Werth haben sowohl für die Lehranstalt an sich, als für die Statistik 
und Geschichte des Unterrichtswesens, steht fest; doch sollen dieselben nach 
der Eingangs erwähnten Bestimmung des Organisations-Entwurfes nicht ohne 
Zugabe einer Abhandlung herausgegeben werden. 
Wichtig ist es ferner, die mit jedem Jahre massenhaft anwachsende Zahl 
der Programme in Evidenz zu halten. Das Bedürfniss hat bereits vor längerer 
Zeit für die preussischen, sowie andere Lehranstalten Deutschlands Reper 
torien ins Leben gerufen, und auch Oesterreich hat deren zwei aufzuweisen. 
Das von Director Gutscher in den Jahresberichten des Marburger Gymnasiums 
für 1868 und 1869 veröffentlichte Verzeichniss umfasst die Programme der 
österreichischen Gymnasien aus den Jahren 1850 — 1867; die ungemein 
fleissige und sorgfältige Arbeit ist aber leider nicht zur selbstständigen Publi- 
1) Eine Zusammenstellung derselben enthält der „Katalog der Ausstellung der evangelischen 
Landeskirche A. C. in Siebenbürgen für Unterrichtszwecke”, welcher von einem sehr iustructiven 
Schrifteben über den Stand des sächsischen Schulwesens begleitet ist. (Hermannstadt 1873).
	        
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