46 Volks- und Bürgerschulen: III. Unterricht in der deutschen Sprache.
Dem oben ausgesprochenen Principe tragen nun auch mehr oder weniger
die ausgestellten „Anschauungsbilder” Rechnung. Für die erste Stufe empfehlen
sich im Grossen und Ganzen die von Tempsky in Prag. Zu wünschen
wäre, dass dieselben auf grösserem Raume weniger Einzelheiten böten,
als sie diess in ihrer gegenwärtigen Gestalt im engen Rahmen bereits thun.
Daran schliessen sich die von der Wiedener Eürgerschule (Wien, Pressgasse)
ausgestellten Rüder von Scholz in Mainz, die jedoch in der Zeichnung zu wünschen
übrig lassen. Recht verwendbar nach Format, Anlage und Zeichnung
sind die vom Ortsschulrathe in A eunkirchen (Oberösterreich) eingereichten
(Wiesbadener) Bilder. Die Berliner Winkelmann’schen Bilder — Eigenthum
der k. k. TTebungsschule für Mädchen bei St. Anna in Wien — sind jedenfalls
für eine gehobenere Stufe des Unterrichts die besten Anschauungsmittel dieser
Art. Eduard Hölzl’s „Bilder zum Religionsunterricht” finden wohl an anderer
Stelle ihre Würdigung.
In der Collectiv-Ausstellung nicht vertreten, jedoch in vielen österreichischen
Volksschulen in Verwendung, sind die Wilke’schon Anschauungsbilder
(Berlin) und das in Stuttgart erschienene Bilderbuch von Bohny. Beide recht
empfehlenswerth. Im Ganzen muss bezüglich aller vorhandenen Anschauungsbilder
(für den ersten Unterricht) bemerkt werden, dass gegenüber den vortrefflichen
Hilfsmitteln für den naturgeschichtlichen Unterricht aus dem Hartingei
sehen Verlage (Wien) die Elementarclasse für den ersten Anschauungsunterricht
dürftig bedacht ist, und dass die Herstellung eines guten Lehrmittels
dieser Art in hohem Grade wünschenswerth erscheint.
4. Schiilerarbeiten.
Die Ausstellung von Schiilerarbeiten für das Sprachfach können weniger
ein verlässliches Bild der Leistungsfähigkeit, als, wo sie in dieser Richtung
geordnet sind, ein Urtheil auf Lehrmethode und Lehrgang gestatten.
Von den städtischen Schulen Salzburg’s liegen vor: die Schülerarheiten
der fünfclassigen Knabenschule, sowie der Mädchenschule gleichen Umfanges
von St. Andrä, der fünfclassigen Volksschule aus dem „linksseitigen
Stadttheil , der dreiclassigen Vorstadtschule in Mülln und der zweiclassigen
Vorstadtschule zu Honnthal. Soweit der Unterrichtsgang aus den Arbeiten
ersichtlich ist, zeigt sich bei den Schulen gleicher Kategorie ein gleichmässig
praktischer Vorgang; die für die sprachliche Entwicklung vollkommen unnütze
schi iftliche V\ ort- und Satz-Analyse findet sich jedoch häufig genug.
Unter den niederen Volksschulen nimmt bezüglich der sprachlichen Schülerarbeiten
die vom Lehrer Johann Ecker geleitete Konnthaler Schule einen
achtungswerthen Platz ein. Heben derselben ist die vom Lehrer Sebastian
1 rennsteiner geleitete zweiclassige Landschule zu St. Johann zu nennen.
Die Landschulen von Bischofshofen und Anif weisen in den Schiilerarbeiten
Briefe, Geschäftsaufsätze, Gemeinnütziges — im Anschluss an das Lesebuch