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Full text: Bericht über österreichisches Unterrichtswesen, aus Anlass der Weltausstellung 1873, II. Theil

VI. Schulpfennig Und Schülerlade. 
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Aufgabe derselben ist: 
1. Ausstattung der Volksschulen mit Lehrmitteln und Gründung von Lehrer 
und Schülerbibliotheken innerhalb der Gränzen der hierüber bestehenden Anord 
nungen ; 
2. Betheilung armer Kinder mit Schulbüchern und andern Schul-Erforder- 
nissen, sowie bei etwa noch ausreichenden Mitteln nöthigenfalls mit Kleidungs 
stücken. 
Am 20. April 1870 constituirte sich auf Anregung des Landes-Schul- 
inspectors Schneller nach erfolgter behördlicher Genehmigung der Stammverein 
zu Innsbruck, welchem bald eine Anzahl von Filialvereinen an verschiedenen 
Orten folgte. 
Laut des vom Stammvereins-Ausschusse zu Innsbruck am 24. Jänner 1871 
erstatteten ersten Berichtes bestanden zu demselben Zeitpuncte 10 Vereine mit 
1144 Mitgliedern, von welchen 864 fl. 70 kr. an Beiträgen eingezahlt wurden; 
am 31. December 1872 belief sich die Zahl bereits auf 44 Vereine mit 3603 
Mitgliedern und bis zum 4. März 1. J. auf 56 Vereine mit circa 4300 Mit 
gliedern. Von den Vereinen entfallen auf Kordtirol 37, aui Südtirol 19, also 
nur beiläufig die Hälfte. 
Im Jahre 1872 beliefen sich die Einnahmen von allen 44 Vereinen aut 
die beträchtliche Summe von 7067 fl. 90 kr., obgleich beim Stammvereine der 
mindeste Jahresbeitrag auf nur einen Gxilden und hei den Zweigvereinen aul 
nur 50 kr. festgesetzt ist. Von obiger Summe wurden auf Lehrmittel für 
Schulen verwendet 4069 fl. 91 kr., für Geschenke an Schüler 1288 fl. Im 
Ganzen wurden 150 Schulen unterstützt. Obgleich nach einer statutarischen 
Bestimmung jeder Filialverein die bei demselben eingeflossenen Beiträge und 
Spenden nur für die Volksschulen seines engeren Bezirkes verwendet, so hat 
es doch der Stammverein an Unterstützungen für die dürftigeren Zweigvereine 
nicht fehlen lassen; in den letzten zwei Jahren wurden in dieser Lichtung 
550 fl. theils für Lehrmittel, theils in Barbeträgen verwendet. 
Veranlasst durch die schönen Lesultate der in Steiermark und Kärnten 
bereits eingeführten Sammlungen für den Schulpfennig, hat der liberal-politische 
Verein für Oberösterreich in Linz im Jahre 1871 mittelst eines Aufrufes 
die Sammlung für den Schulpfennig behufs Anschaffung von Lehrmitteln für 
arme Schulgemeinden, zur Errichtung von Schul-Bibliotheken, sowie für andere 
Volks-Bildungszwecke im Lande eingeleitet. Da man jedoch bald erkannte, 
dass ein Verein mit vorwiegend politischen Tendenzen eine entsprechende und 
einheitliche Verwendung der hiefür eingegangenen Gelder nicht vermitteln 
könne, so wurde die Gründung eines eigenen, diesem Zwecke sich widmenden 
Vereines in Angriff genommen. Der ob er österreichische Volks-Bildungsverein, 1 ) 
welcher diese Aufgabe übernahm, zählt bereits an 400 fl. Vereinsvermögen und 
1) Begründet durch Landessehulinspector Nacke. 1872.
	        
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