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Full text: Officieller Ausstellungsbericht - Musikalische Lehrmittel und das musikalische Erziehungs- und Bildungswesen (Theilbericht der Gruppe XXVI)

Mufikalifche Lehrmittel. 
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Meinung des Referenten überfliiffig, auf anderen Gebieten der mufikalifchen 
Erziehung die nationale Produktion wachzurufen. Das alte ungarifche Sprüchlein: 
„Extra Hungariam nullet, vita, 
Si est vita, non est ita“ 
mag zwar in vielen Beziehungen des Lebens noch heute feine Geltung haben, ja, 
man könnte ihm fogar eine fpecififch mufikalifche Beziehung beilegen, wenn es 
fleh allenfalls um die Nationalinftrumente Cymbal und Czakan handelte; der 
Unterricht in diefen bildet aber wohl keinen Gegenftand der ungarifchen Semi 
narieii; hier handelt es fich um Clavier-, Violin- und Orgelfpiel, und Unterrichts 
werke dafür find in Hülle und Fülle und in einer Qualität vorhanden, die nicht 
leicht übertroffen werden wird. Die Regierung konnte fich die Sorge um ein 
„Anleitungsbuch zum Clavier- und Orgelfpiel“, der Verfaffer die Mühe einer 
folchen Arbeit erfparen; man hätte einfach eines der hiehergehörigen befferen 
deutfehen Werke, z. B. Czerny, Köhler, Hohmann, Rink, Hertzog etc., in dem 
begleitenden Texte ins Ungarifche überfetzen und fich allenfalls damit begnügen 
follen, es zu einem fehr billigen Preife in die Hände der Schüler gelangen zu 
laffen. In der That fleht das unter dem eben erwähnten Titel von Bartalus ver- 
fafste Werk hinter ähnlichen Leiftungen bei anderen Nationen zurück, wenngleich 
die Richtigkeit der darauf bezüglichen Bemerkung des Miniflers im officiellen 
Berichte zugegeben werden kann: „Ich habe mich durch perfönliche Anfchauung 
und Erfahrung davon überzeugt, dafs Jünglinge, die vor einem Jahre noch 
gar nichts von Mufik verftanden, obwohl gemeinfam lernend, fowohl im Clavier 
als auch im Orgelfpiel überrafchende Fortfehritte machten.“ 
Diefelbe Methode im Gefangunterricht, wie Bartalus, befolgt Nagy in 
feinem „Enektanitäsra gyakorlökörny“ (Gefangbuch für Volksfeinden) und dem 
correfpondirenden Leitfaden für die Lehrer, „Vezerkönyv az enektanitäsban 
nepiskoläk szämära“ (Nr. 414 und 1121 des Katalogs), nur fafst er fich etwas kürzer 
und fondert die Lieder von dem vorangegangenen theoretifchen und Uebungs- 
theile. Unter den Liedern finden fich auch mehrere deutfehe Weifen mit ungari- 
fchem Text, z. B. „Kukuk ruft’s aus dem Wald“, „Weifst du, wie viel Sterne flehen,“ 
ferner Liedchen von Anfchütz, Sechter. Das Werkchen ift in feiner aufliegenden 
Geftalt für die I. und 2. Claffe der Volksfeinden beflimmt, es ift fomit unvollendet, 
obzwar in feinem Erfcheinen etwas älteren Datums als das früher erwähnte von 
Bartalus. Es fcheint faft, dafs die beiden Verfaffer gleichzeitig um die Gunft der 
Regierung fich bewarben, dafs jedoch Nagy in diefer Beziehung unterlegen fei 
und auf die Weiterführung feines Werkes verzichtet habe. Von den übrigen noch 
ausgeftellten Werken heben wir noch folgende hervor: „Egri dalnok ....“ (Aus- 
erlefene Sammlung ernfter und heiterer Gelänge für ungarifche Gymnafien, Real- 
fchulen und gefellige Kreife) für Sopran, Alt, Tenor und Bafs, einige auch blofs 
für Männerftimmen gefetzt und in Erlau erfchienen. Sowohl in diefer Sammlung 
(Nr. 421) als in der „Harmonia, 50 dalgyüj temeny“, Sammlung von 
50 Liedern für Männerftimmen (Nr. 1141 des Katalogs) traf man eine Reihe wohl- 
bekannter Lieder und Gefänge in ungarifcher Uebertragung; wir führen hier nur 
an: Kapelle und Chor aus dem Nachtlager von Kreutzer; Gebet aus Freifchütz, 
Chor aus Preciosa, Gebet vor der Schlacht und Lützow von Weber; Loreley von 
Silcher; Chöre aus Tannhäufer, Lohengrin und fliegender Holländer von Wag 
ner; Volkslied, Jägerlied, Choral von Mendelsfohn; die Nacht von Schubert; 
Abendftunden von Mozart; Ständchen vonMarfchner etc. Kapoffy’s „Szerkönyv 
kathol. käntarock szämära“ (Ritualbuch für katholifche Cantoren, Katalog 
Nr. 1132) enthält eine grofse Anzahl kirchlicher Gefänge mit fpecieller Rückficht 
auf liturgifche Zwecke. Der Text ift ungarifch, theilweife auch lateinifch, der 
mufikalifche Satz ift durchaus für Männerftimmen. Das Werk trägt auf dem Titel 
blatte eine Empfehlung von Fr. Liszt, ift in Erlau 1870 erfchienen und dafelbft, 
wie auch in mehreren anderen Lehrer-Bildungsanftalten eingeführt. Auffällig 
darin, wie auch in anderen ähnlichen ungarifchen Werken find die für die Char-
	        
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