Mufikalifche Lehrmittel
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fieberte einen jährlichen Beitrag von 300 Gulden unter der Bedingung zu, dafs
arme und talentvolle Schüler unentgeltlich aufgenommen würden, während die
übrigen ein monatliches Schulgeld von 48 Kreuzern zu entrichten hatten. L öhle
bereitete eine Anzahl von Elementarlehrern zurErtheilung des Gefangunterrichtes
(hauptfächlich mit Rückficht auf Peftalozzi’fche Grundfätze) während des Jahres
1829/30 vor und unter feiner Leitung wurde die Anftalt im Jahre 1830 eröffnet.
Unter grofser Theilnahme der Bevölkerung fchien das Unternehmen zu gedeihen,
jedoch bald, insbefondere feit Löhle’s Tod 1S37, trat der Mangel an ergiebiger
Dotation hemmend auf. Der Magiflrat wendete fich an die Regierung umZufchülfe
aus Staatsmitteln; die Regierung fand fich aber hiezu nicht bewogen, obwohl fie
den entfeheidenden Einflufs auf die oberfte Leitung der Anftalt fich Vorbehalten
hatte. Nach mehrfach wechfelnder Leitung — auch Franz Lachner bekleidete
eine Zeit lang zwifchen 1842 und 1843 das Amt eines „Vorftandes der Central-
Singfchule“ — und nachdem die Anftalt im Jahre 1843 gänzlich fiftirt worden
war, wurde fie im Einvernehmen mit der Regierung am 1. Jänner 1845 unter dem
Namen „Städtifche Singfchule“ unter der Leitung des Infpetftors Koch wieder
eröffnet und befteht noch gegenwärtig. Die Chronik diefes zweiten Abfchnittes
der Gefchichte der Anftalt ift minder bewegt als die frühere. Das Schulgeld ift
feit 1861 in zwei Claffen auf 48 und 36 Kreuzer monatlich feftgefetzt. ZumEintritte
in die Anftalt genügen die Elementarkenntniffe, die in der Volksfeinde erworben
werden; der Unterricht wird zwei Mal wöchentlich in je zwei Stunden ertheilt.
Als Lehrziel gilt: Singen vom Blatte, Chorgefang; die Methode ift dem Lehrer
überlaffen. Durch Befchlufs der Gemeinde wurde vomjahre 1872 an den beftehen-
den zwei Curfen ein dritter angereiht, da der Zeitraum von zwei Jahren fich zur
Erreichung des Lehrzieles als ungenügend erwies. Jeder der drei Curfe ift einem
Lehrer anvertraut; der Infpedtor ift der technifche Leiter der Schule. Der gegen
wärtige Status ift laut den dort heiligenden Nachweifen 3oSchüler, 63 Schülerinen.
Der Aufwand aus Gemeindemitteln für diefe Anftalt ift in dem Voranfchlage des
Jahres 1873 mit 525 Gulden eingeftellt, wobei bemerkt werden mufs, dafs die
Koften für Beleuchtung, Beheizung etc. in diefer Summe nicht enthalten find, fon-
dern beim Aufwand für die Elementarfchulen zur Verrechnung gelangen, da deren
Localitäten zugleich auch für die Zwecke der Central-Singfchule benützt werden.
Leider find in dem Berichte die an der Anftalt in Verwendung befindlichen Lehr
mittel und die Erfolge des Unterrichtes nicht erfichtlich — dieExiftenz der Anftalt
an und für fich aber ift von folcher Bedeutung, dafs man wünfehen möchte, diefes
unferes Erinnerns einzig daftehende Beifpiel der kunftfinnigen Stadt München
möchte auch in anderen gröfseren Städten Nachahmung finden. Es leuchtet wohl
von felbft ein, welch’ immenfer Nutzen für die Bildung des Volkes im Allgemei
nen und fpeciell für die Kunft aus folchen „Fortbildangsanftalten“ erwachfen
kann und mit welch’ geringem Aufwande er, wie das vorliegende Beifpiel zeigt,
erreichbar ift.
D. Württemberg.
Nach dem Normal-Lehrplan für V o 1 k s f c h u 1 e n (eingeführt mit Minifterial-
verfügung vom 21. Mai 1870) ift der Gefangunterricht an denfelben obligat. Der
bezügliche Abfchnitt lautet:
„Singen.
Zweck und Ziel im Allgemeinen. Durch den Unterricht im Singen,
welcher zugleich feinen Beitrag zur Bildung der Sprachorgane zu geben hat, follen
die Schüler fo weit gebracht werden, dafs fie fähig find, fich an dem gottesdienft-