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Rudolf Weinwurm.
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gröfseren Städten verbinden fich unter der Aegide der gleich unten zu besprechenden
Muükvereine Frauen- und Männerchöre zur Pflege des gemilchten Chores; der
Männergefang dominirt aber bei allen feftlichen Gelegenheiten und allerorten in
einem feine künftlerifche Berechtigung weitaus überfte'gendem Mafee. Auf welche
inneren Eintheilungsgrunde die erwähnte Theilung diefes Gebietes in Kunft-
mneren tuexn g « beruh vermag der Referent trotz genauer Durch
ficht des vorfindlichen Materiales nicht anzugeben, wir treffen im Gegentheüe
[n den Slngerfeft-Sammlungen Nummern (z. B. Kreutzer’s „Kapelle-) die
fowohl unter 6 der Rubrik Kunftgefeng. als ein ander Mal unter der Rubrik
Volkseefang“ verkommen. Nebftbei zeigt aber die Durchficht diefer Hefte
und dfe Durehficht der Liederfammlungen dafs felbft «rf dem Gebiete des
Männergefanges in künftlerifcher Hinficht noch viel zu thun übrig bleibt. Man dar
lanee blättern um irgend einem claffifchen Namen zu begegnen; am haufigften
kommt noch Mendllsfohn vor, Schubert und Schumann find hochfl
mangelhaft und auf eine Weife vertreten, die ihre Bedeutung für diefes Gebiet
nicht erkennen läfst. In den Liederfammlungen, deren einige noch weiter unten
zur Aufzählung gelangen, trifft man mufikalifche Sünden und Gefchmacksvenrrungen,
die fleh allenfalls mit dem Mangel clafflfcher Nummern auf diefem Gebiete entfchul-
d gen wohl aber nicht rechtfertigen laffen. Was foll man z. B. fegen, wenn man in
einer der verbreitetften und fonft brauchbaren diefer Sammlungen: „Volksgefange
für den Männerchor, herausgegeben von einer Commiffion der Zürich fchen
Schulfynode“ unter Nr. 56 und dem Titel: „Schwur freier Männer den wunde,-
volle/üoppelchor „Bacchushymne“ aus der Antigone von Mendelsfo n
einen der Glanzpunkte diefes Werkes, in einer Geftalt und Fällung findet, die
fleh kaum befchreiben läfst: ohne Begleitung; der Doppelchor auf einen einfac en
reducirf rhythmifche Aenderungen, die dem urfprünglichen Duttus widerftreiten,
das Tonftück blofs im erften Theile benützt und demnach aus einander genffen
und fchliefslich ein Text untergelegt, der von hellemfcher Schönheit und di hyraim
bifchemSchwünge wohl gar nichts an fich hat? Oder wenn in derf ^^Sammlung
(Nr 170) ein inftrumentales Variationenthema Beethovens als Mannercho
verarbeitet wird auf einen Text: „O Welt, du bift fo fchön“ ? Oder wenn man das
zauberduftige Lied Schumanns: „Erftes Grün“ in einer Verballhornung für
Männerchor antrifft, entkleidet des geradezu unentbehrlichen Reizes der Be = le
tung" Ode wenn man in einer anderen Sammlung: „Neue Volksgefänge für den
Männerchor“ 1. Heft, Seite S . den zweiten Satz aus der Sonate op. 90 von
Beethoven bis zur Unkenntlichkeit entftellt, als Männerchor unter dem Titel
Fahr wohl, du gold’ne Sonne“ findet? Derartige Beifpiele wären noch mehrere
anzuführen; fie zeigen aufs Deutlichffe die Gefahren, die dem mufikal,fchen
Gefchmacke aus einfeitiger Kunftübung erwachfen.
Jener Bericht enthält auch die Nachweile über die Schweizer M»«-
vereine, nach den vorerwähnten Rubriken abgefafst von MufikdireiTor Meth-
f e f f e 1 in Bern. Ihre Gefammtzahl beträgt 210; die Zahl J 1 *™'.
Vermögen 253.59iFrancs ; Einnahmen 255.621 Francs ; Ausgaben 280 J29 Fiancs
die Gründung der meiften datirt aus den Jahren 1850 bis 1870 ; die alteften Veiei
find- Mufikcollegium in Winterthur (1629), Cäci’iengefellfchaft in Rapperswyl