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Full text: Officieller Ausstellungsbericht - Musikalische Lehrmittel und das musikalische Erziehungs- und Bildungswesen (Theilbericht der Gruppe XXVI)

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Rudolf Weinwurm. 
älteren Zeit kaum mehr im Bewufstfein des Volkes fortleben, feltener vertreten ; 
die Aufteilung enthielt nur fechs derartige Werke, darunter folgende beachtens- 
werthe: „ 
Vaft: „Rkcreations muftcales, 30 Choers varies a 3 voix egales . ; 
Rogat: „Chants de jeuneffe, Solos et Choers ä 3 voix kgales avec accompagne- 
ment de Piano ou d’Orgue“; 
Lemoine: „Chants d’ecole“, 11 Hefte zwei- und dreiftimmiger Gefänge, theils 
mit, theils ohne Accompagnement; 
Baumier, ein gefchriebenes Heft, jene Lieder enthaltend, welche in der Com- 
munalfchule in d’Angers geübt werden, unter denen wir folgende deutfche 
in franzöfifcher Uebertragung finden : „Ueb’ immer Treu und Redlichkeit“, 
„Alle Vögel find fchon da“, „Fuchs, du hält die Gans geftohlen“, Komm, 
lieber Mai“, „Der gute Camerad“; 
dagegen wird in allen Stufen des Gefangunterrichtes auf Vocalexercitien ein 
befonderer Nachdruck gelegt; diefe fpielen fowohl in den vorfindlichen Elemen 
tarmethoden als auch in den Lehrplänen verfchiedener Schulen eine hervorragende 
Rolle und die Produktion auf diefem Gebiete ift eine aufserordentlich ergiebige, 
um nicht zu fagen luxuriöfe. Es fanden fich Solfeggienwerke für eine, zwei, drei, 
vier Stimmen, mit und ohne Begleitung, von den einfachften bis zu den compli- 
cirteften Formen und wie hoch die Ziele find, die man fich dabei ftellt, geht daraus 
hervor, dafs man bei Durchficht mehrerer diefer Werke häufig in Zweifel kommen 
kann, ob der mufikalifche Satz für Menfchenftimmen oder für Streichinftrumente 
eingerichtet ift. Als die intereffanteften daraus heben wir hervor die „S y m p h o- 
nies vocales ou Solftges d’enfemble ä 3 et ä 4 voix“ von C h e 1 ar d, die ein- 
und zweiftimmigen Solftges vonCarulli et Lemoine und das Solfkge von 
Rodolphe. Von Elementarunterrichts-Methoden find bemerkenswerth: Mouzin 
, Petite Grammaire musicale ä l’usage des kcoles primaires . und Chochery 
"premikres legons de lekture musicale . Ob die Auswahl der weiteren in der 
franzöfifchen Unterrichtsausftellung vorfindlichen mufikalifchen Werke mit Rück 
ficht auf den Unterricht in Lehrer-Bildungsanftalten oder aber mit Rückficht auf 
die Fachbildung in Confervatorien getroffen wurde, bleibt ungewifs. Für das 
erftere fpricht eine Anzahl von Werken, theils für Clavier, theils für Violine, deren 
Anwendung in Seininarien gewifs am Platze fein würde, für das letztere der Umftand, 
dafs fich eine Reihe von Methoden für Inftrumente vorfand, deren Uebung und 
Pflege wohl nur einen Gegenftand der Confervatorien bilden kann. Auf dem Gebiete 
des ClaVierunterrichts begegnete man auch hier den bekannten Namen eines 
Czerny, Bertini, Heller, Henfelt (Etudes charakleristiques), aufserdem war 
Lemoine durch eine gute Schule und durch zwei- und vierhändige Etudenhefte, 
Duvernoy durch eine Elementarfchule und waren die folgenden Componiften 
durch Etüden vertreten: Schulhoff, op. 13; Taubert, op. 40; Ravina, 
op. 28; Rofenhain, op. 17; L e f eb u r e - W e 1 y, op. 23 und 24; Vilbac; 
Luffy. Für Violine fanden fich zwei recht gute Werke: Mazas „Mkthode.de 
Violon“ und Herman „Methode complete de Violon“ für Vio 1 once 11 eine 
Schule von L e b o u c ; an theoretifchen Werken unter Anderem die weitverbreitete 
Harmonielehre von Catel und ein beachtenswerthes, eben im Erfcheinen begrif 
fenes Werk von Luffy „Traitk de l’expression“; und fchliefslich fanden fich 
Schulen für fämmtliche Inftrumente in einer fehr billigen, gleichförmigen 
und brauchbaren Ausgabe der Firma Ikelmer & Comp, in Paris. 
Die bisher angeführten mufikalifchen Werke bedienen fich fämmtlich der 
gewöhnlichen Notenfchrift; es wurde jedoch bereits früher bemerkt, dafs an vielen 
Orten Frankreichs die G alin- P ari s - Ch e v e fche Z iff e rnfchrift in Ver 
wendung fleht. Die Verbreitung derfelben wurde namentlich durch den Umftand 
begünftigt, dafs die Gefangvereine und „Liedertafeln“ („O r p h e o n s“), die fich 
feit dem Anfänge der fünfziger Jahre nach dem Vorgänge Deutfchlands und der
	        
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