ZUM GELEIT
Von A. Lunatscharski
Die Kultur der Vergangenheit sich aneignen, bedeutet vor allem, sie
erhalten und ihre Denkmäler sorgfältig bewahren; zweitens bedeutet es
die Erforschung der Kunstdenkmäler und der ideologischen Struktur
der verschiedenen Epochen im Zusammenhang mit der gegenwärtigen
Epoche, d. h. ein geschichtswissenschaftliches Studium; drittens bedeutet
es die ideologische, thematische und vor allem technische Auswertung
aller ihrer positiven Züge, die für die neuen Schöpfungen von Nutzen
sein können; schließlich bedeutet es die Ausnutzung alles dessen, was in
den Schöpfungen der Vergangenheit wirklich schön war und auch noch
in dem zeitgenössischen Bewußtsein einen Widerhall finden kann — als
einer Quelle hoher ästhetischer Entwicklung.
Es möchte scheinen, als ob in schärfstemWiderspruch mit dem Proletariat
und seiner Aufbauarbeit, mit seiner streng materialistischen Philosophie,
mit seiner praktischen, das Leben bejahenden Denkungsart die Religion
im allgemeinen stehe und die orthodoxe, mönchische, asiatisch-asketische
Religion der in Rußland herrschenden Kirche im besonderen. Bis heute
werden zuweilen noch Stimmen laut, die behaupten, daß es sich kaum
lohne, die Kirchen als Architekturdenkmäler von großem künstlerischen
Wert oder historischer Bedeutung zu erhalten. Bis heute bestehen
Bedenken, inwieweit man den Kirchengesang fördern und sich mit
kirchlichen Gegenständen, Ikonen usw. liebevoll beschäftigen könne.
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