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formätoren? Allerdings, »wo die Könige bauen, haben
die Kärrner zu thun«, und so mag die Gipsgiesserei,
noch heute von den unsterblichen Werken der grossen
griechischen Bildhauer lebend, vielleicht ein blühender
Industriezweig im heutigen Griechenland sein, vielleicht
der einzige moderne ? Oder soll diese Ausstellung an
die alte Kunstblüthe erinnern und uns die grosse Zeit
der antiken Welt vor die Seele führen? Ach, die Er
innerung ist grausam für die Gegenwart. Nicht eine
Spur verbindet sie in Wirklichkeit mit der Vergangen
heit, jedes Band ist abgeschnitten, jedes Glied der Kette
zerbrochen: der Gegensatz zwischen der Kunstindustrie
des alten Griechenland und des heutigen kann nicht
grösser sein. Selbst in den Donau-Ländern finden wir
in den Formen der bäurischen Thongefässe noch die
alte Tradition aus den Zeiten der römischen Provinz
und der griechisch-römischen Cultur; an den heutigen
griechischen aber, deren eine grössere Anzahl bäurischen
Ursprungs ausgestellt ist, finden wir weder historisch,
noch künstlerisch etwas zu bemerken. Was an alte
Formen zu erinnern scheint, macht mehr den Eindruck
einer neuen, gänzlich rohen Wiederaufnahme.
Das Einzige, was uns von kunstindustrieller Ar
beit in der griechischen Ausstellung wirklich Freude
macht, sind die gestickten Kleidungsstücke. Die Arbeit
daran ist einfach. Es ist eigentlich nur ein Besatz von
Goldfäden auf weissem .oder rothem Grunde, zuweilen
auch mit Hinzufügung anderer Farben, aber diese
zarten Goldfäden sind in ihren gewundenen Linien mit
solcher Genauigkeit gezogen und diese Linien bilden