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Full text: Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

gangen; der Norden einerseits, der Süden andererseits, 
sie setzen Bedingungen des Geschmacks und der Kunst 
übung, die durch ihren Gegensatz den Eindruck der 
Mannigfaltigkeit und des Reichthums erhöhen. Wenn 
Russland auf früheren Ausstellungen nicht in diesem 
Charakter erschienen ist, so kam das daher, dass man 
damals, vor zehn und zwanzig Jahren, eben nur zu 
schätzen wusste, was der Mode angehörte, und in die 
ser Beziehung konnte Russland freilich nur als Nach 
ahmer erscheinen. 
Seitdem hat man mehr und mehr gewürdigt, was 
das Land in nationaler Tradition Eigenthümliches be 
wahrt, und hat dies nicht bloss mit zur Ausstellung ge 
bracht, sondern man hat die Motive, die es bietet, auch 
vielfach in die moderne Industrie aufgenommen und 
dieser selbst dadurch einen dem Lande eigenthümlichen 
Anstrich gegeben. Andererseits aber spürt man auch 
den Einfluss des Modernen in solchen Arbeiten, welche 
man als nationale bezeichnen muss. 
Von diesem Gesichtspunkte aus lassen sich auf 
der gegenwärtigen Ausstellung Russlands viererlei Ar 
ten von Arbeiten der Kunstindustrie unterscheiden: 
i. solche, die rein der europäischen oder, wenn man 
lieber will, der französischen Mode folgen; 2. solche, 
welche, obwohl für den modernen Gebrauch bestimmt, 
nationale oder alterthümliche Motive in sich aufgenom 
men haben; 3. nationale Arbeiten, welche bereits mo- 
dernisirt sind, und endlich 4. nationale Arbeiten in all 
ihrer Ursprünglichkeit und Eigenthümlichkeit. 
Dieser gemischte Charakter der russischen Kunst 
arbeit tritt mitunter höchst auffällig zu Tage, mitunter
	        
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