MAK

Full text: Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

in Folge archäologisch - künstlerischer Bestrebungen in 
die Industrie eingeführt und wohl zu kirchlichem Ge 
brauche (doch nicht ausschliesslich) bestimmt, ihre Auf 
nahme ist aber von um so grösserem Verdienst, als 
sich neben ihnen andere Kirchenstoffe befinden, ganz 
von Gold und Silber oder mit bunten Blumen da 
zwischen, die an gemeiner Wirkung und gewöhnlich 
ster Zeichnung nichts zu wünschen übrig lassen. 
Es ist dies aber nicht der einzige Fall, wo der 
moderne Charakter der textilen Arbeiten Russlands 
durchbrochen ist, auch in der Leinwand beginnt eine 
Neuerung, diesmal aber mit wirklich nationalen oder 
volksmässigen Motiven. Es hat sich vielfach in der 
iussischen Volkstracht wie auch in anderen, meist sla 
wischen Ländern vom Norden Scandinaviens herab bis 
an die Donau und in den Balkan hinein eine eigen 
tümliche Stickerei auf der Leinwand erhalten, die 
meist in Roth, sodann auch in Blau und Schwarz aus 
geführt wird. Es sind Linienornamente, in Linien stili- 
sirte Blumen, Blätter, seltener -mit Thier- und Men 
schenfiguren dazwischen, die auffallend an zahlreiche 
ähnliche Arbeiten der Renaissance sowie an die bei 
Sibmacher und in anderen Stickmusterbüchern mit- 
getheilten Muster erinnern, so dass wir fast auf einen 
Zusammenhang schliessen dürfen. 
Die Muster, so einfach wie sie scheinen, variiren 
zu tausenden und sind fast immer von reizendem, oft 
überraschend glücklichem Effect und vollkommen stil 
gerecht. Das hat denn auch die Leiter der Geschmacks 
reform in Russland, die dort so gut im Gange ist wie
	        
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