MAK

Full text: Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

aber in buntfarbigem Email und Niello ausgeführt; 
selbst die ganze Facade eines Hauses mit dem reich 
geschmückten Giebel dient als Spiegelrahmen in Metall. 
Dieses Ornament ist es auch, welches den russischen 
Goldschmied- und Juwelierarbeiten ihren buntfarbigen 
und eigenthümlichen Eindruck in erster Linie verleiht. 
Betrachten wir es auf seinen ästhetischen Werth, so 
verhält es sich zu dem feinen, geschwungenen, reichen 
und lebensvollen Renaissanceornament eben wie die 
Formen jener Holzgefässe zu ihresgleichen im sechs 
zehnten Jahrhundert. 
Dieses Ornament ist auch in jene reizenden Sil- 
berniellen eingedrungen, die unter der Bezeichnung 
Tula-Arbeiten weltbekannt sind, und hat hier die ur 
alt asiatischen Arabesken so gut wie völlig verdrängt. 
Die Ausstellung dieser Arbeiten ist in Wien reicher, 
als sie in Paris war, aber leider ist das Verderben, 
welches wir schon damals durch das Hereindringen 
moderner Motive ahnten und voraussagten, völlig ein 
getreten. Die reizende Wirkung, welche in der Ver 
bindung des Silbers mit der Schwärze liegt, ist durch 
die Hinzufügung eines vergoldeten Grundes gänzlich 
verdorben, statt der anmuthigen orientalischen Ara 
besken, welche das Silber und das Niello so glücklich 
mischten, bedecken allerlei unklare Städtebilder und an 
dere \ eduten oder das plumpere Holzornament die 
Flächen. Selbst die Formen haben verloren und ahmen 
z. B. lederne Geldtaschen nach. Es ist höchste Zeit, 
dass hier die russischen Kunstfreunde warnend und ra 
thend mit ihrem Einfluss einschreiten, sonst geht einer
	        
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