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dass ein einziges Stück durch Schönheit oder Origina
lität den Blick fesselt.
Im musivischen, bunten Pelzwerk haben wir Gutes
zu finden erwartet, was aber ausgestellt ist, dient wohl
vortrefflich gegen die Kälte, auch wohl der Eleganz,
aber nicht dem ästhetischen Bedürfniss. Eine Ausstel
lung von Bronzearbeiten (von Chopin) zeigt sich vom
französischen Geschmack abhängig und lässt russischen
Ursprung nur in den Gegenständen erkennen. Die klei
nen Scenen und Gruppen russischen Volkslebens sind
mit grosser Lebendigkeit und Charakteristik gemacht,
als wären sie nach Horschelt’schen Zeichnungen aus
geführt.
Allerdings bietet die russische Ahsstellung noch
eine Seite von grossem Interesse, die ihren Platz am
aussersten Ende erhalten hat. Es ist das die Darstel
lung der asiatischen Völkerschaften in ihren Figuren
und ihren Erzeugnissen. Da diese aber alle streng
orientalischen Charakters sind, so wollen wir sie uns
bis dahin aufsparen, wo wir uns mit der Kunst des
Orients eingehend beschäftigen werden. Wir schliessen
mit der Bemerkung, dass die russische Kunstindustrie,
so gemischt ihr Charakter ist, so sehr sich das Schlechte
neben das Gute stellt, doch ein grosses Interesse bietet
und ein Zeugniss von Lebendigkeit und Rührigkeit ab
legt; auch zeigt sie das Bestreben, von der französi
schen Mode, vom modernen Geschmack sich zu befreien
und einen eigenen Stil aus nationalen Elementen sich
zu schaffen.