— 108
zu gönnen; die Amerikanerinnen lieben den Putz und
die Eleganz und thuen es in Raschheit und Uebertreibung
oder Originalität der Moden allen Damen des
Continents zuvor. Auch schafft Amerika zum grössten
Theil alle die Dinge, die hier in Rede stehen und
die wir auch zum Theil von der letzten Pariser Ausstellung
kennen, aber eben so sicher, als sie existiren,
entbehren sie auch jedes eigenen künstlerischen Verdienstes,
daher sie sich auch mit vollem Recht nicht
auf die Weltausstellung wagen. Die Concurrenz des
Geschmackes würden sie eben nicht bestehen. Was
Amerika an höheren Luxusgegenständen bedarf, das
bezieht es zumeist aus Paris, der Hauptstätte seines
heute schon nicht mehr geringen künstlerischen Bedarfs.
Soll und wird das immer so bleiben? Ist der
amerikanischen Industrie, die heute durchaus auf das
Praktisch-Künstliche statt auf das Künstlerische gerichtet
ist, die ästhetische Seite ein für alle Mal versagt?
Wir glauben das nicht. Bis heute freilich hat dem
Amerikaner in seinem Drange nach Erwerb die Ruhe
des Gemüthes gefehlt, die bis zu einem gewissen Grade
nöthig ist, soll der Geist sich der Pflege des Schönen
zuwenden. Die immer sich erneuernde Staatenbildung,
die Cultur der weiten Strecken seines Landes mit
allen ihren Erfordernissen beschäftigen seinen erfindungsreichen
Kopf, seine unruhigen, vorwärts strebenden
Gedanken hinlänglich, um sie nicht so scheinbar
unnützen Dingen zuzuwenden, wie sie der Kunst
angehören. Allein die Dinge ändern sich: der angesammelte
Reichthum, die Ausbildung des geselligen