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wir noch überall in Süd- und Mittel-Amerika auf den
Spuren der Conquistadoren.
Auch die getriebenen Silberarbeiten, womit das
Reit- und Riemzeug geschmückt ist, so wie die kolos
salen Silbersporen sind mit ihrer Verzierung nicht ohne
Originalität. Selbst in den Mustern der Spitzen- und
Weissstickereien, wovon eine hübsche Serie ausgestellt
ist, stossen wir auf Anklänge alter, überlieferter Vor
bilder aus der europäischen Heimat. Dasselbe ist es
mit den geflochtenen Körben und den Poterien zum
Volksgebrauch, zum Theil rothe Kühlgefässe, die an
portugiesischen Ursprung erinnern.
Dagegen müssen wir den Ursprung einer anderen
originellen und überaus reizenden Industrie im Lande
selber suchen. Wenn wir uns den Federschmuck der
Wilden Brasiliens betrachten, der mit den Waffen und
anderen ihrer Arbeiten in einem besonderen Kasten
ausgestellt ist, so wissen wir, woher die Idee zu den
originellen Zier- und Schmuckarbeiten gekommen ist,
zu denen hier die farbenprächtigen Geschöpfe Brasiliens
benützt sind. Denn dass diese allein als Rohmaterial
nicht dazu führen konnten, das sehen wir an der
schlechten ungenügenden Verwendung, die im Lande
von den prachtvollen Hölzern gemacht wird. Das far
benschillernde Gefieder dieser bunten Vögel, deren
todte Leiber in Massen aufgehäuft sind, ist in äusserst
geschickter und geschmackvoller Weise zu Fächern und
Blumen verwendet und die goldglänzenden, grünen oder
bläulichen oder bunten Käfer sind wieder, edelstein
artig in Gold gefasst, zu allerlei Schmuck in Gehängen
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