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Gl as , geschnitzte Möbel, Majoliken, Marmor, Mosaiken
u. s. w. Keine Fabrik als solche kommt zur Wirkung;
sie muss mit der Schönheit und der Mannigfaltigkeit
des Einzelnen einholen, was sie an Wirkung im Grossen
durch das unvollkommene Arrangement verliert. Und
das geschieht denn auch. Trotz alledem bildet die In
dustrie Italiens einen der anziehendsten Punkte der
Ausstellung, und wer sie studirt und ihre Fortschritte
in den letzten Jahren zu beurtheilen weiss, der wird
ihre Bedeutung nicht unterschätzen.
Die italienische Kunstindustrie zeigt freilich ein
Janus - Gesicht: mit dem einen Antlitz zieht sie die
Menge an, mit dem andern die Kenner und die Fein-
i iihligen. Zum 1 heil ergeht es ihr auch wie mit dem
Magneten, womit sie die Einen reizt, stösst sie die
Anderen zurück. Dies gilt z. B. von den zahlreichen
Maimorarbeiten, die, eben zur Wohnungsdecoration
und in den Decorateuren ihr Publicum von Käufern
findend, mehr der Kunstindustrie als der Kunst ange
hören. Die zopfigsten und gewöhnlichsten Gegenstände,
welche von der heutigen Genremalerei verschmäht wer
den und kaum noch für Bilderbögen gut genug sind,
sieht man hier in feinstem Marmor mit wunderbarer
Geschicklichkeit dargestellt. Der Kunstfreund, der noch
eine Ahnung von den Aufgaben der Plastik hat, geht
lachend oder ärgerlich über den verschrobenen Ge
schmack an diesen »Marmorbildern« (buchstäblich zu
nehmen) vorüber, während die banausische Menge sie
umsteht und hier die geschickte Darstellung des Stoff
lichen, der Seide oder der Wolle, oder den fleisch-