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durch ihren vorwiegend plastischen Charakter bestimmt,
die Münchner durch einen architektonischen, die Nürn
berger durch einen malerischen. Die Berliner Gold
schmiedekunst ist immer noch vorwiegend antikisirend
und sucht ihre grossen Aufgaben denkmalartig zu lösen ;
die Münchner trägt den altbekannten, wie es scheint,
ziemlich festgestellten Charakter der Zeitschrift des dor
tigen Gewerbevereines, während die Nürnberger unter
Krelings Einfluss sich, allerdings mit grosser Freiheit,
an die Augsburger und Nürnberger Vorbilder des sechs
zehnten Jahrhunderts hält. Auf die einzelnen, zum
Theil sehr bedeutenden Leistungen kommen wir später
zu sprechen. Eine vierte, ebenfalls selbstständige Rich
tung ist die kirchliche Goldschmiedekunst in Westpha-
len und am Rhein, die nach und nach ganz mittel
alterlich geworden ist. Eine fünfte, wenn nicht selbst
ständige und eigenthümliche, doch eigene Stellung be
haupten die schwäbischen Schmuckarbeiten von Pforz
heim und Gmünd und die von Hanau, die in einer
hübschen Collectivausstellung beisammen stehen. Sie
zeigen im Vergleich zu 1867 manche Neuerungen;
der Fortschritt auf diesem Gebiete ist auch an ihnen
nicht vorübergegangen; die Willkür und Sinnlosigkeit
der Formen ist zwar geblieben, aber das Genre im
Ganzen verfeinert. Was sonst von deutschen Arbeiten
in Silber oder Silberimitationen auf der Ausstellung
erschienen ist, das folgt der hergebrachten französischen
Schablone oder hängt (wie z. B. Koch und Bergfeld
in Bremen) noch gänzlich am Naturalismus.