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Full text: Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

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durch ihren vorwiegend plastischen Charakter bestimmt, 
die Münchner durch einen architektonischen, die Nürn 
berger durch einen malerischen. Die Berliner Gold 
schmiedekunst ist immer noch vorwiegend antikisirend 
und sucht ihre grossen Aufgaben denkmalartig zu lösen ; 
die Münchner trägt den altbekannten, wie es scheint, 
ziemlich festgestellten Charakter der Zeitschrift des dor 
tigen Gewerbevereines, während die Nürnberger unter 
Krelings Einfluss sich, allerdings mit grosser Freiheit, 
an die Augsburger und Nürnberger Vorbilder des sechs 
zehnten Jahrhunderts hält. Auf die einzelnen, zum 
Theil sehr bedeutenden Leistungen kommen wir später 
zu sprechen. Eine vierte, ebenfalls selbstständige Rich 
tung ist die kirchliche Goldschmiedekunst in Westpha- 
len und am Rhein, die nach und nach ganz mittel 
alterlich geworden ist. Eine fünfte, wenn nicht selbst 
ständige und eigenthümliche, doch eigene Stellung be 
haupten die schwäbischen Schmuckarbeiten von Pforz 
heim und Gmünd und die von Hanau, die in einer 
hübschen Collectivausstellung beisammen stehen. Sie 
zeigen im Vergleich zu 1867 manche Neuerungen; 
der Fortschritt auf diesem Gebiete ist auch an ihnen 
nicht vorübergegangen; die Willkür und Sinnlosigkeit 
der Formen ist zwar geblieben, aber das Genre im 
Ganzen verfeinert. Was sonst von deutschen Arbeiten 
in Silber oder Silberimitationen auf der Ausstellung 
erschienen ist, das folgt der hergebrachten französischen 
Schablone oder hängt (wie z. B. Koch und Bergfeld 
in Bremen) noch gänzlich am Naturalismus.
	        
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