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rühmenswerth. Und doch kann man von einer jeden
sagen — beide haben ihren eigenthümlichen Charakter
bewahrt —: sie ist gross im Kleinen und klein im
Grossen, das will sagen, 'ihre kleinen Arbeiten sind
ihren grossen bei weitem vorzuziehen. Das liegt aber
mit in der Sache: das Porzellan verträgt eben eine ge
wisse Grösse nicht mehr, und um so weniger, wenn
die Formen nach allen Regeln moderner Kunst ausge
führt sind. Sie sind steif, geschnürt und ungefällig. In
Faiencen, Steingut und Fliesen ist die Mettlacher Fabrik
von Villeroy und Boch rührig, strebsam und neuerungs
süchtig; nur entdecken wir über all den Versuchen
nicht den Punkt, der ihren Kern und Charakter aus
macht. Bei Fleischmann in Nürnberg sind wir dar
über nicht im Unklaren, sein Standpunkt ist der einer
antiquarischen Imitation, und von diesem Standpunkt
aus sind die Leistungen gut, doch ist der Standpunkt
nicht hoch. Ebenso erscheinen treffliche blaue Stein
krüge einer rheinischen Fabrik (Merkelbach) auch nur
wie Versuche neben dem gewöhnlichen Geschirr.
Vielleicht den einheitlichsten Eindruck macht die
Ausstellung der deutschen Möbel mit den dazu gehöri
gen Zimmerdecorationen. Nur hat das Arrangement
mit seinen Draperien, mit der Unruhe der herein
hängenden Kronleuchter wieder Manches verdorben.
Wir sehen mit Vergnügen und nicht ohne Ueber-
raschung, wie überall von Berlin bis Mainz und Karls
ruhe in der reicheren Hausausstattung die Renaissance
durchgedrungen ist, als wäre vom Zopf und moderner
französischer Art nichts mehr zu spüren. Auch die