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satz zum geschnitzten Relief bemerkten. Man wird
diese Möbel auffallend verschieden linden von den fran
zösischen, und doch ist es nicht dasjenige, was man
hätte von der Reform oder vom englischen Charakter
erwarten sollen. Während der englische Geschmack
von ehedem, wie er mindestens vor zwanzig Jahren
herrschend war, seinen Charakter in plumpen, steifen,
schwerfälligen Formen zu erkennen gab, ist heute ge
rade Ueberzartheit das Charakteristische. Die Arbeit
ist meist von erstaunlicher Feinheit und Ausführung,
so sehr, dass sie selbst — auffallend für England —
den praktischen Gebrauch beeinträchtigt. Die Profile
wagen sich nirgends heraus, sondern sind flach und
matt. Die Zeichnung der eingelegten farbigen Hölzer
oder des Elfenbeins ist so zierlich, dass sie mager und
dürftig erscheint; das Elfenbein zuweilen rosa schattirt,
lichtgelbes Holz mit Vorliebe verwendet, so dass auch
der coloristische Anblick dieser Art von Möbeln, die,
alleidings in eigenthümlicher Weise, an die zartesten
Schöpfungen von Louis XVI. erinnern, schwächlich,
fast süsslich ist.
Ganz im Gegensatz zu diesem, wie es scheint,
heute in der vornehmen Mode vorherrschenden Genre
strebt ein Geschlecht sehr begabter und unterrichteter
Architekten nach rationeller und solider Gestaltung des
Möbels mit Anlehnung an mittelalterliche, zumal ro
manische Motive und zum Theil mit vertieft einge
schnittenen und gefärbten Ornamenten. Auch diese
Art, die mehr im Einklang mit den .ursprünglichen
Reformbestrebungen sich befindet, ist mit einigen cha-