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Full text: Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

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satz zum geschnitzten Relief bemerkten. Man wird 
diese Möbel auffallend verschieden linden von den fran 
zösischen, und doch ist es nicht dasjenige, was man 
hätte von der Reform oder vom englischen Charakter 
erwarten sollen. Während der englische Geschmack 
von ehedem, wie er mindestens vor zwanzig Jahren 
herrschend war, seinen Charakter in plumpen, steifen, 
schwerfälligen Formen zu erkennen gab, ist heute ge 
rade Ueberzartheit das Charakteristische. Die Arbeit 
ist meist von erstaunlicher Feinheit und Ausführung, 
so sehr, dass sie selbst — auffallend für England — 
den praktischen Gebrauch beeinträchtigt. Die Profile 
wagen sich nirgends heraus, sondern sind flach und 
matt. Die Zeichnung der eingelegten farbigen Hölzer 
oder des Elfenbeins ist so zierlich, dass sie mager und 
dürftig erscheint; das Elfenbein zuweilen rosa schattirt, 
lichtgelbes Holz mit Vorliebe verwendet, so dass auch 
der coloristische Anblick dieser Art von Möbeln, die, 
alleidings in eigenthümlicher Weise, an die zartesten 
Schöpfungen von Louis XVI. erinnern, schwächlich, 
fast süsslich ist. 
Ganz im Gegensatz zu diesem, wie es scheint, 
heute in der vornehmen Mode vorherrschenden Genre 
strebt ein Geschlecht sehr begabter und unterrichteter 
Architekten nach rationeller und solider Gestaltung des 
Möbels mit Anlehnung an mittelalterliche, zumal ro 
manische Motive und zum Theil mit vertieft einge 
schnittenen und gefärbten Ornamenten. Auch diese 
Art, die mehr im Einklang mit den .ursprünglichen 
Reformbestrebungen sich befindet, ist mit einigen cha-
	        
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