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Full text: Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

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Jahrhunderten eingeübt, nunmehr nach natürlichem 
Gesetz fast wie ein angeborner erscheint. Aber mit 
dieser Eigenschaft ist auch der Mangel an wirklicher 
Originalität verbunden, den wir bald herausfühlen, 
wenn wir uns durch den glänzenden Schein nicht 
blenden lassen. Was Frankreich uns heute Neues zeigt, 
das heisst Neues im Vergleich zu 1867, das ist alles 
Nachahmung oder durch Nachahmung angeregt. Es 
lässt sich das im Gebiete der Bronzen, der Faiencen, 
der Seidenstoffe mit Leichtigkeit nachweisen. 
Ebenso wie es an eigentlicher Erfindungskraft und 
wirklich originellen Gegenständen fehlt, ebenso, möchte 
man fast sagen, fehlt auch das wahrhaft Schöne; we 
nigstens steht die Zahl dessen, was wir so bezeichnen 
möchten, in gar keinem Verhältniss zu dem Glanz und 
Aufwand der französischen Kunstindustrie. Wir legen 
hier allerdings den höchsten Massstab an und ziehen 
unsere Vergleiche nicht mit dem, was sonst die Gegen 
wart in anderen Ländern schafft, sondern mit dem, 
was die Vergangenheit, was die Kunst der Alten, des 
Orients, der Renaissance geschaffen hat. Wir antworten 
nicht auf die Frage: wer macht es besser? sondern: 
wer hat es besser gemacht? und hier sind wir mit der 
Antwort nicht in Verlegenheit. Man wird uns zwar ein 
wenden, dass dieser Massstab ein ungerechter sei, da 
man die Zeit nur mit ihrer eigenen Elle messen könne. 
Das würde richtig sein, wenn wir einen bestimmten 
Zeitstil hätten, aus dem wir nicht herauskönnten. Dass 
dieses aber nicht der Fall ist, beweist eben die fran 
zösische Industrie, indem sie sich der Kunstmotive
	        
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