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Jahrhunderten eingeübt, nunmehr nach natürlichem
Gesetz fast wie ein angeborner erscheint. Aber mit
dieser Eigenschaft ist auch der Mangel an wirklicher
Originalität verbunden, den wir bald herausfühlen,
wenn wir uns durch den glänzenden Schein nicht
blenden lassen. Was Frankreich uns heute Neues zeigt,
das heisst Neues im Vergleich zu 1867, das ist alles
Nachahmung oder durch Nachahmung angeregt. Es
lässt sich das im Gebiete der Bronzen, der Faiencen,
der Seidenstoffe mit Leichtigkeit nachweisen.
Ebenso wie es an eigentlicher Erfindungskraft und
wirklich originellen Gegenständen fehlt, ebenso, möchte
man fast sagen, fehlt auch das wahrhaft Schöne; we
nigstens steht die Zahl dessen, was wir so bezeichnen
möchten, in gar keinem Verhältniss zu dem Glanz und
Aufwand der französischen Kunstindustrie. Wir legen
hier allerdings den höchsten Massstab an und ziehen
unsere Vergleiche nicht mit dem, was sonst die Gegen
wart in anderen Ländern schafft, sondern mit dem,
was die Vergangenheit, was die Kunst der Alten, des
Orients, der Renaissance geschaffen hat. Wir antworten
nicht auf die Frage: wer macht es besser? sondern:
wer hat es besser gemacht? und hier sind wir mit der
Antwort nicht in Verlegenheit. Man wird uns zwar ein
wenden, dass dieser Massstab ein ungerechter sei, da
man die Zeit nur mit ihrer eigenen Elle messen könne.
Das würde richtig sein, wenn wir einen bestimmten
Zeitstil hätten, aus dem wir nicht herauskönnten. Dass
dieses aber nicht der Fall ist, beweist eben die fran
zösische Industrie, indem sie sich der Kunstmotive