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Full text: Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

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Flächenmuster als Dummheiten, heute folgen die Lyoner 
kirchlichen Stoffe im Gewebe wie in der Stickerei ganz 
entschieden der gleichen Richtung. Auch in die Möbel 
stoffe und Tapeten sind sie zahlreich eingedrungen, 
doch nicht ohne Spuren der französischen Caprice zu 
zeigen, indem z. B. das Muster, dessen Effect und 
Schönheit auf einem richtigen Raumverhältniss von 
Grund und Zeichnung beruhen, so ins Kolossale über 
trieben worden, dass der Effect ein ganz anderer und 
keineswegs besserer ist, als der des Originals. Mehr noch 
als das Mittelalter spielt die Renaissance auf den Seiden- 
und anderen Möbelstoffen, und wir müssen gestehen, 
dass es unter diesen Imitationen der italienischen Stoffe 
des sechszehnten Jahrhunderts ganz wunderschöne Bei 
spiele gibt, zumal von solchen, bei welchen das Muster, 
oft von prachtvollen Blumen, in dunklem Sammt auf 
lichterem Atlasgrunde ruht. Die italienischen Seiden 
fabrikanten, welche heute fast veraltete französische 
Muster nachahmen, ihre eigenen aber vernachlässigen, 
sollten sich daran ein Beispiel nehmen. 
Neben solchen entschiedenen Neuerungen gibt es 
aber andere zahlreiche Erscheinungen, in denen der 
französische Geist sich ganz und gar treu geblieben ist. 
Dahin gehören z. B. die Gobelins, ein Zweig der Kunst 
industrie, den wir heute als einen specilisch-französlschen 
betrachten. Er ist es auch, sowohl weil er anderswo so 
gut wie keinen Concurrenten hat, als auch seiner künst 
lerischen Natur nach, einerseits indem er mit grösster 
Vollendung kein anderes Ziel anstrebt, als es der Ma 
lerei in ihren höchsten Aufgaben gleichzuthun, anderer- 
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