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die letzten Jahre hindurch alle Kräfte durch die uner
hört an wachsenden Forderungen des Tages vollständig
absorbirt waren, so dass besondere Anstrengungen für
die Ausstellung selbst, wie man sie sonst zu machen
pflegt, vielfach ausser dem Bereich der Möglichkeit
lagen.
Hat Oesterreich diese Prüfung bestanden oder
nicht? Hat es den grossen, den grössten Raum, den
es sich selber zuwies, würdig ausgefüllt ?
So sehr wir zweifeln, dass vor zehn oder weniger
Jahren noch irgend eine Möglichkeit gewesen wäre,
diese Frage mit Ja zu beantworten, so müssen wir doch
jetzt in aufrichtiger Ueberzeugung zugeben, ohne uns
selbst des Chauvinismus anklagen zu müssen, dass
Oesterreich diese Prüfung bestanden hat. Damit soll
aber durchaus nicht gesagt sein, dass Oesterreich, weil
es den ersten, den grössten Raum anständig oder wür
dig ausfüllt, nun auch der erste Staat der Welt in der
Kunstindustrie wäre, noch auch, dass alles gut und
würdig ist, was uns vor Augen steht. Unser Aus
spruch gilt nur dem Gesammteindruck, und ist dieser
entschieden ein günstiger, so werden wir das Urtheil
im Einzelnen vielfach wieder zu beschränken haben,
wie wir umgekehrt bei Deutschland ein hartes Urtheil
über das Ganze durch die Werthschätzung vieler ein
zelner Leistungen wieder zu mildern hatten.
Die Kunstindustrie Oesterreichs ist eine junge.
Dieser Umstand ist wohl zu beherzigen, wenn man sie
richtig würdigen will. Sie ist eine aufstrebende, bei der