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gute Intentionen auf richtigem Wege schon von grosser
Bedeutung sind.
Die österreichische Kunstindustrie ist nicht inso
fern eine junge, als ob ihre Existenz erst von neulich
datirte. Der Luxus hat immer eine Stätte in Wien
und im österreichischen Adel gehabt und die Industrie
des Landes hat ihn zu befriedigen getrachtet. Aber sie
war künstlerisch ohne Bedeutung: sie folgte eben dem
Modegeschmack ohne eigene Wahl, ohne Schöpferkraft
und stand somit in der Hinterhand. Erst mit der gross
artigen architektonischen Entwicklung von Neu-Wien
ist dieser Mangel fühlbar geworden, und mit dem ge
steigerten Bedürfniss hat sich der Drang nach Selbst
ständigkeit geltend gemacht. Wie es aber nicht anders
sein kann, so lange die Sache in der Hand der Archi
tekten allein ■ lag, deren Thätigkeit nur gewisse be
schränkte Kreise des Gewerbes zu erreichen und nur
gewisse, an Zahl geringe, wenn auch im Wesen meist
bedeutende Aufgaben zu lösen vermag, so lange war
die Bewegung in der Industrie nur eine sehr partielle
und noch dazu waren die eingeschlagenen Wege ganz
verschiedene und entgegengesetzte, je nach den Stil
weisen der Architekten. Fehlten ja doch den Archi
tekten selbst die Vorbilder, daher denn auch alles,
was vor etwa zehn Jahren noch als gothisch oder
griechisch im Gewerbe entstand, mehr aus nüchterner
Abstraction mit oft sehr falscher Anwendung der hor-
men geschaffen w'ar, als dass es wirklich der \\ eise des
Mittelalters oder des Griechenthums entsprochen hätte.