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fassen hier Kunst und Kunstindustrie zusammen — ist
seit den Zeiten der Renaissance in allen Zweigen wesentlich
plastisch geworden, d. h. sie sucht alle Gegenstände,
alle Figuren, alles Ornament in einem scheinbaren
gemalten oder wirklichen Relief darzustellen.
Wie sie in der Malerei auf die Modellirung, auf die
volle durchgeführte Rundung der Figuren, was die decorative
Malerei des Mittelalters noch nicht kannte, den
höchsten Werth legt, so zeichnet und höht sie jede
Blume, jedes andere Ornament so mit Schatten und
Licht, als ob es scheinbar in voller Wirklichkeit auf
dem Gegenstände läge. Das war vor wenigen Jahren
noch allüberall so in der modernen Kunstindustrie. Wenn
wir heute zum Theil davon abgehen, so ist das bereits
bewusste Absicht der Reform auf Grundlage mittelalterlicher
und orientalischer Studien.
Ganz im Gegensatz sieht der Orient, der heutige
muhammedanische und indische Orient, den Gegenstand
der Kunst nicht in seiner Rundung, nicht mit
Schatten und Licht gehöht und modellirt, sondern
flach, sozusagen nur in seinem mit Farbe ausgefüllten
Luftcontour. Das geht so weit, dass der orientalische
Künstler, wo er in seiner Decoration europäische Blumenmuster
nachahmt, alsdann wohl die Blume, wie wir,
in der Unregelmässigkeit der Naturerscheinung zeichnet,
aber sie nicht mit Schatten und Licht zu höhen vermag,
so dass sie dennoch flach erscheint. Wir können
das in der türkischen Ausstellung an einer ganzen
Reihe modernisirter Seidenstoffe nachweisen. Mit sei-