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Full text: Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

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und der Ausdruck der Seele. Wer die orientalische 
Kunst richtig betrachten und richtig würdigen will, der 
muss über die Unvollkommenheit der menschlichen Ge 
stalten hinwegsehen und nur das im Auge haben, was 
das Wesen ist, den »schönen Schein«, die farbige Er 
scheinung. Dass auch darin Reiz und Poesie, echte 
Kunst und wahre Herzensfreude liegt, das zu empfin 
den braucht man nicht Orientale zu sein, aber ein bis 
chen orientalisches Gefühl gehört doch dazu. Wer das 
kalte und nüchterne Grau, mit dem wir aufgewachsen 
sind, für fein hält oder die harten Gegensätze moderner 
Stoffe nöthig hat, um überhaupt Farbe zu sehen, der 
wird niemals trunken werden von orientalischer Far 
benlust. 
Das Wesen des orientalischen Colorits liegt in 
zweierlei. Einmal liegt es in der Conservirung der 
eigenthümlichen Kraft der Farben, nicht in ihrer grauen 
Abtödtung. Wenn der Orientale die Farbe bricht, so 
geschieht das, um einen anderen Ton zu haben, nicht 
um ihre Stärke, ihr Leben, ihr Feuer zu vernichten. 
Oft aber, wo unser Auge die Farbe für gebrochen hält, 
ist sie nur die richtige und natürliche Tinte der Ma 
terialien, aus denen sie bereitet ist. Zum anderen ist 
es die Vertheilung und Zusammenstellung der Farben, 
worauf es ankommt, die Harmonie, die den Reichthum 
bindet und beherrscht. Der Orientale liebt es nicht, 
das Hell und Dunkel contrastirender Farben in breiten 
Massen an einander zu setzen, weil der Effect nur ein 
harter ist. Wenn er es thut, wie mit Roth nnd Grün
	        
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