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auf dem Smyrnaer Teppich, so haben beide Farben die
gleiche wohl abgewogene Stärke. Er sucht vielmehi
die Farben in kleineren Partien so durch einander zu
bringen, dass keine aus der Menge herausschreit und sie
in der Entfernung in einen einzigen schimmernden,
schillernden Ton Zusammengehen, der eben durch sei
nen Schiller den Vorzug der Lebendigkeit und des
Reichthums vor der einfachen braunen oder rothen
Farbe voraus hat. Die Mischung der Farben, die unsei
Künstler auf der Palette vornimmt, geschieht somit erst
im Auge auf der Netzhaut. Haben wir hier nicht das
Bild des Orientalen selbst, im Inneren Feuer und Lei
denschaft, von Aussen Würde, Ruhe und Gelassen
heit? So bewahren die Farben ihre Kralt, ihr Feuer,
aber in ihrem Verein sind sie zur Ruhe, zur vollsten
Harmonie gebunden.
Bei solchem coloristischen Princip lässt sich erwarten,
dass, wie die Plastik, so auch selbst die Zeichnung
des Ornaments nur von untergeordneter Bedeutung ist.
Das ist auch zum Theil der Fall, namentlich in der
Kunst der türkischen Gruppe, welche unter den dreien
am niedrigsten steht. Hier scheint es in der That oft
nur darauf anzukommen, die Farben zu einem gewis
sen Effect einfach unter einander zu vertheilen, und
selbst wo es sich gar nicht um Farben handelt, wie bei
gravirten Metallarbeiten, da ist die Zeichnung gemei
niglich roh und bedeutungslos, ln früheren Jahrhun
derten, und besonders auch in der maurisch-arabischen
Kunst Spaniens, war das entschieden anders, so dass
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