— 175
vor Augen steht, ohne Mühe griechische, slavische,
syrische, ägyptische und persische Elemente, in keinem
Zweige aber spricht sich eine besondere Höhe der
Kunstübung aus, ja, die Gewebe ausgenommen -und
auch das gilt nur von bestimmten Arten — ist eine
gewisse Rohheit der Arbeit vorheirschend. Prachtstücke
von besonderer Schönheit, Feinheit und Vollendung,
wie sie uns z. B. von Indien und Japan entzücken,
gibt es nirgends in der türkischen Abtheilung. Dazu
kommt, dass der moderne europäische Geschmack gar
bedenklich in türkische Industrie und Sitte eindringt,
t
und zahllos sind bereits die Gegenstände, deren orna
mentale Echtheit wir in Zweifel ziehen. Während uns
der Beduine vom Libanon mit seinem schwarz und
weiss gestreiften Burnus und seinem braun und gelb
gestreiften Kopftuch, das unter dem Turban hervor über
beide Schultern herabfliesst, unverändert das Bild des
»Alten vom Berge« und seiner Assassinen aus der
Kreuzfahrerzeit vor Augen führt, ja vielleicht die Pa-
triarchenscheiks der abrahamitischen Zeit, kleidet sich
die vornehme Türkin zu Constantinopel in geblümten
französischen Seidenstoff und die Muselmännin von
Kreta sieht aus wie eine Wiener Köchin im Sommer
sonntagsputz. Und schon gibt es europäische Künstler,
Fabrikanten und Handwerker im Orient, zumal in Con
stantinopel, die es besser wissen und verstehen als die
Orientalen selbst und die Wandornamente der Alhambra,
spanisch - maurische Stuckdecoration vom 14. Jahrhun
dert, auf Seiden- und Sammtstoffe und Stickereien ver
pflanzen.