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MAK

Full text : Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

—  177  —

oder  die  Weberin  eine  Farbe  genommen  hätte,  die  ihr
gerade  in  die  Hand  gekommen,  und  auch  die  Zeichnung
geändert,  wenn  die  Farbe  zu  Ende  war.  Solche  Un
regelmässigkeiten  stören  aber  nicht  im  mindesten  den
allgemeinen  farbigen  Eindruck,  der  gerade  bei  dieser
Art  von  Teppichen,  die  am  unverdorbensten  sind,  oft
von  ganz  ausserordentlicher  Schönheit  ist.  Zuweilen,
wie  es  Mischlingsgattungen  gibt,  finden  sich  auch  Blumen ­
  oder  Pflanzen  auf  einzelnen  Exemplaren,  aber  sie
sind  so  sehr  zum  Ornament  geworden,  dass  sie  in  geraden ­
  Linien  gezeichnet  sind.
Kaum  minder  bedeutend  ist  die  Ausstellung  der
Seidenstoffe,  dazu  ebenfalls  die  ganze  Türkei  und,  wie
es  scheint,  auch  manches  andere  Land  (wenigstens  im
Geschmack)  beigetragen  hat.  Wir  können  eine  Musterkarte ­
  sammeln  von  Indien  bis  Paris.  Der  orientalische
Charakter,  d.  h.  das  reine  Flächenmuster,  wiegt  allerdings ­
  bei  weitem  vor  und  wo  moderne  europäische
Blumen  oder  zopfige  Rococomuster  nachgeahmt  sind,
da  hat  man  wenigstens  die  grauen  Schatten  gespart.
Der  Orientale  will  sich  seine  Farbe  nicht  verderben
lassen.  Mehr  noch  als  die  Gewebe  sind  die  Goldstickereien ­
  vom  europäischen  Geschmack  angegriffen;  ihre
zum  Theil  mageren,  zum  Theil  auch  plumpen  Ornamente ­
  sind  oft  nichts  als  sinnlose  Schnörkelverzierungen-Selbst
  in  das  verschlossenste  Heiligthum,  in  den  Harem,
sind  unsere  Stickmuster  eingedrungen  und  kommen  als
Arbeiten  türkischer  Damen  zu  uns  zurück.  Das  rührendste ­
  Beispiel  davon,  ein  paar  Landschaften  in  Straminstickerei, ­
  findet  sich  allerdings  nicht  in  der  Türkei,
            
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