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Full text: Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

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miniscenzen, Formen, die unläugbar an antike Herkunft 
erinnern, andere, die den Einfluss und die Nachbar 
schaft Persiens verrathen, andere, die wieder gemein 
samen Ursprungs sind mit gewissen Kühlgefässen Spa 
niens von lichtem gelben Thon mit aufgetropften Or 
namenten, die wir dort schon beschrieben haben. In 
teressanter aber noch sind einige vortreffliche Collec- 
tionen von glasirtem Geschirr, deren ausgezeichnete 
Emailfarben, Kobaltblau und Türkisblau, verschiedene, 
zum 1 heil sehr schöne Tinten in Grün, in Braun, in 
Gelb, ebenso die Aufmerksamkeit erregen wie die 
reichen, originellen, geschwungenen, zum Theil auch 
bizarren Formen und die hinzugefügten Goldornamente. 
Hier haben wir es offenbar nicht mit einer Volkspro- 
duction auf niederer Stufe zu thun, sondern mit der 
Hinterlassenschaft einer hohen Cultur und einer aus 
gebildeten Faience-Industrie. Dieser Industriezweig lässt 
erkennen, dass er einst noch bessere Tage gehabt hät, 
als er sie gegenwärtig kennt. Auch so sind die Gegen 
stände uns interessant und lehrreich. 
Weit mehr noch als die Türkei zeigt Aegypten 
den Einfluss der europäischen Industrie. Das alte Land 
der Pyramiden hat gar viele und verschiedene Cultur- 
epochen über sich ergehen lassen und eine Race nach 
der andern erblühen und wieder sinken sehen. Viel 
leicht steht ihm eine neue Epoche bevor unter dem Ein 
fluss der europäischen Civilisation. Die ägyptische Aus 
stellung erscheint in ihrem ganzen Arrangement fast 
modern elegant und die eigenthümlichen Formen, in 
welche sie sich kleidet, sehen nur aus wie Prätensionen.
	        
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