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Mit Indien erst kommen wir, wie heute die Dinge
stehen, wahrhaft in das Land der orientalischen Piacht.
Gibt es in dieser Beziehung im Orient eine Steigerung
nach den Ländern, so steht heute Indien auf der höch
sten Spitze. Ist es der Glan* des Himmels, die Pracht
der Naturerscheinungen, die Farbenfülle seiner Flora,
der Reichthum seiner Fürsten und Herren oder alles
zusammen — in Indien glänzt alles von Gold, abef
nicht in der blanken, glatten Weise, wie es unser Ge
schmack in Gold und Vergoldung heute liebt, sondern
in erstaunend mannigfacher künstlerischer Verwendung.
Der indische Künstler ist wahrhaft sinnreich in der de-
corativen Verwerthung des Goldes.
Sehen wir die heutige Kunst Indiens in Bezug aul
ihren Stil an, so ist sie ohne Frage ein Zweig der
Kunst des Islam. Von dem, was heute gearbeitet wird,
davon mag vielleicht die eine oder andere Metalltech
nik in aschgraue indogermanische Zeiten zurückgehen,
aber die Form, die Ausdrucksweise dieser glänzenden
decorativen Kunst datirt erst von der Invasion der
Araber und des Muhammedanismus in Indien. Dahei
herrscht auch die grösste Verwandtschaft zwischen der
persischen und der indischen Art, so sehr, dass es mit
unter schwer wird, die Herkunft zu bestimmen. Vor
herrschend ist dieselbe Blumenfreude und dieselbe Art,
die Blume zu stilisiren, nur dass die Kunst Indiens
feiner und vollendeter in der Arbeit ist und manche
Decorationsweise und manche Technik noch daneben
für sich hat, welche Persien nicht kennt. So ist sie
zugleich vollkommener, mannigfacher und reichet. In