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Full text: Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

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Mit Indien erst kommen wir, wie heute die Dinge 
stehen, wahrhaft in das Land der orientalischen Piacht. 
Gibt es in dieser Beziehung im Orient eine Steigerung 
nach den Ländern, so steht heute Indien auf der höch 
sten Spitze. Ist es der Glan* des Himmels, die Pracht 
der Naturerscheinungen, die Farbenfülle seiner Flora, 
der Reichthum seiner Fürsten und Herren oder alles 
zusammen — in Indien glänzt alles von Gold, abef 
nicht in der blanken, glatten Weise, wie es unser Ge 
schmack in Gold und Vergoldung heute liebt, sondern 
in erstaunend mannigfacher künstlerischer Verwendung. 
Der indische Künstler ist wahrhaft sinnreich in der de- 
corativen Verwerthung des Goldes. 
Sehen wir die heutige Kunst Indiens in Bezug aul 
ihren Stil an, so ist sie ohne Frage ein Zweig der 
Kunst des Islam. Von dem, was heute gearbeitet wird, 
davon mag vielleicht die eine oder andere Metalltech 
nik in aschgraue indogermanische Zeiten zurückgehen, 
aber die Form, die Ausdrucksweise dieser glänzenden 
decorativen Kunst datirt erst von der Invasion der 
Araber und des Muhammedanismus in Indien. Dahei 
herrscht auch die grösste Verwandtschaft zwischen der 
persischen und der indischen Art, so sehr, dass es mit 
unter schwer wird, die Herkunft zu bestimmen. Vor 
herrschend ist dieselbe Blumenfreude und dieselbe Art, 
die Blume zu stilisiren, nur dass die Kunst Indiens 
feiner und vollendeter in der Arbeit ist und manche 
Decorationsweise und manche Technik noch daneben 
für sich hat, welche Persien nicht kennt. So ist sie 
zugleich vollkommener, mannigfacher und reichet. In
	        
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