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Full text: Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

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dem, worin beide ähnlich sind, unterscheidet sich die 
indische Arbeit durch eine mehr heitere, ich möchte 
sagen mehr blumige Art der farbigen Erscheinung. 
Dies gilt z. B. gleich von den indischen Tep 
pichen, die im Wesentlichen ganz däs persische Princip 
der Decoration befolgen, das wir oben beschrieben ha 
ben. Ein Kenner, der die Technik prüft und die Wolle 
mit den Fingern fühlt, wird auch wohl so die Unter 
scheidung treffen, ästhetisch aber lässt die bei weitem 
mehr heitere, oft goldige Farbenhaltung im Gesammt- 
anblick die indischen Teppiche leicht von den ernsteren 
persischen trennen. 
Dasselbe Princip der Teppiche, dem wir schon so 
oft in der orientalischen Kunst begegnet sind, die Farbe 
nicht durch den Contrast, sondern durch die Har 
monie, durch den resultirenden Ton der Vermischung 
wirken zu lassen, herrscht fast in der ganzen Weberei 
Indiens. Es ist auch das Princip der Kaschmirshawls, 
die zwar mit den grossen geschwungenen, an der Spitze 
umgebogenen sogenannten indischen Palmetten die 
Fläche überdecken, aber in diesen Palmetten mischen 
sich die Farben in einander auf möglichst kleinen 
Flächenräumen. Dasselbe Princip gilt auch in den 
Goldgeweben, bei denen das Gold entweder so ange 
bracht ist, dass es in feinem Spiel der Farbe der Seide 
nur Glanz und Schimmer verleiht oder als Grund über 
wiegend durch die Farbe seinen besonderen Ton er 
hält, sei es, dass es roth oder grünlich oder blau oder 
violett schillert und spielt. Die indischen Weber sind 
ausserordentlich erfindungsreich in immer neuen Va-
	        
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