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Japan bei uns in Wien plötzlich Mode geworden ist.
Ja, wir selbst wünschen gar nicht einmal, dass diese
Mode mit dem Schluss der Weltausstellung sogleich
wieder zu Ende sei, und möchten vielmehr, dass das
Gute, was uns jene Kunst zu bieten hat, in unser
Fleisch und Blut übergehe.
Worin besteht nun dieses Gute? worin kann es
bestehen, wenn jeder Figur, jeder Gestalt, jeder orna
mentalen« Bildung der Zopf anhängt? Erstens in der
wunderbaren Nettigkeit und Präcision der Arbeit, die
allein schon ein Vergnügen ist. Eigentlich ist sie aller
dings nur noch den Japanern zu eigen, aber diesen auch
so, dass sie sich auf ihr Lattenwerk und ihre Zaunpfähle
erstreckt. Man betrachte aus diesem Gesichtspunkte den
Zaun, mit dem sie ihren kleinen Garten umgeben haben.
Zum anderen in dem Farbenreiz und in der Harmonie,
dem ewigen A und O aller Decoration, die selbst die
unbedeutendsten Porcellanarbeiten noch heute tragen.
Wir sehen dabei von den älteren Arbeiten, die allerdings
noch andere, insbesondere formelle Verdienste zeigen,
ganz ab, so wie auch noch heute ein und der andere
Kunstzweig seine eigenthümlichen Vorzüge besitzt.
Wie gross der Unterschied ist zwischen dem Einst
und dem Jetzt, das erkennt man am besten an der
schönen Collection der Zellenschmelzgefässe, welche sich
inmitten der chinesischen 1 Ausstellung befindet. Die Ge-
fässe mögen so ziemlich alle der Periode vom fünf
zehnten bis zum siebzehnten Jahrhundert angehören.
Wo ist irgend etwas unter den modernen Arbeiten
Chinas, das sich an Schönheit des Colorits, an Gross-