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sehen Bronzen, die zum grossen Theil dem Dienst des
Altares gewidmet sind, so von barockem Ornament
überladen, dass von der geschickten Arbeit wenig Ver
gnügen übrig bleibt.
Die japanische Industrie hat sich ohne Frage,
man kann sagen, besser conservirt als die chinesische.
Auch sie trägt ihren Zopf, aber mit mehr Wüide.
Der japanische Künstler — es gibt wenigstens deren
— ist ein ausserordentlich geschickter Zeichner im
Kleinen und weiss die verwegensten Verkürzungen und
Verschränkungen des menschlichen Körpers, z. B. bei
Akrobaten und Jongleurs, mit der Richtigkeit der Na
tur in wenigen Strichen wiederzugeben. Diese Natur
beobachtung hindert ihn aber nicht, die Gesichtei, eines
wie das andere, in manierirtem Typus darzustellen.
So wunderbar mischt sich bei ihnen Natur und steife
Ziererei, man möchte sagen: Byzantinismus. Ihre klei
nen Nachbildungen von Thieren, von Katzen, Hunden
und Affen, sind liebenswürdig in ihrer Wahrheit, und
daneben zeigen die Costümfiguren ihre vornehmen
Damen im höchsten Grade steif und affectirt, wider
wärtig affectirt in der erzwungenen, rückgebogenen
Stellung, in der schiefen Haltung des Kopfes, in der
Massehhaftigkeit des Kleiderstoffes, der alles andere
eher als eine menschliche Figur in sich einzuschliessen
scheint.
Aber geschickt ist alles, was der Hand des japa
nischen Künstlers entstammt, und schon durch die Ge
schicklichkeit allein von unläugbarem Reize. Ihre
Bronzegefässe, die reiches, freies Ornament, zuweilen