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MAK

Full text : Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

—  206  —

ben  wird.  Das  ist  die  Bedeckung  von  Porzellangefässen
mit  wirklichem  Email  cloisonne,  so  dass  das  letztere
hier  völlig  an  die  Stelle  des  Porzellans  getreten  ist.
Die  ersten  kleinen  Stücke  kamen  vor  drei  oder  vier
Jahren,  damals  noch  ganz  unbekannt,  zu  uns  nach
Europa.  Hier  in  der  Ausstellung  sehen  wir  eine  ganze
Reihe  Theetassen  dieser  Art.
Der  Zellenschmelz,  der  in  China  sich  in  ein  gemaltes ­
  Email  auf  meist  blauem  Grunde  von  sehr  unsolider ­
  Art  verwandelt  hat,  ist  ebenfalls  in  Japan  in
Uebung  geblieben.  Es  ist  genau  dieselbe  Technik  wie
bei  den  altchinesischen  Cloisonnes,  aber  der  Anblick
ist  ein  anderer,  weil  das  Colorit  bei  den  chinesischen
aus  dem  Dunkelblauen  geht,  bei  den  japanischen  aus
dem  Grünen.  Jene,  die  altchinesischen,  sind  ohne  Frage
schöner.
Den  dritten  grossen  Industriezweig  Japans,  oder
den  vierten,  wenn  man  neben  Metallen  und  Porzellanen
die  Lackarbeiten  hinzurechnet,  bildet  die  textile  Kunst.
Sie  zeigt  am  glänzendsten  den  decorativen  Geschmack
der  heutigen  Japaner,  sie  zeigt  ihn  mit  mehr  Gold  und
bunten  Farben,  aber  minder  harmonisch  als  die  indischen, ­
  dass  sie  als  zu  bunt  erscheinen,  bei  anderen
aber  wieder  ist  das  Gold  nur  so  sparsam  angewendet
und  die  Farbentöne  so  gebrochen,  dass  die  zarteste,
'massvollste  Harmonie  sich  bildet.  In  diesem  Fall  ist
auch  das  Ornament-sehr  bescheiden  gehalten,  selbst
wenn  es  barocker  Weise  in  regelmässiger  Wiederkehr
allerlei  komische  Figuren  mit  Masken  und  Fratzen
oder  auch  verschiedene  Schiffe  in  vollen  Segeln  und
            
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