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Theilnahme des Publicums, das konnte und musste
man sich Voraussagen, blieben alle Bestrebungen er
folglos und konnten nur den Geschäftsmann ins Ver
derben führen. Erwies sich diese ästhetische Specula-
tion finanziell misslungen, so war sie überhaupt miss
lungen.
Trotz dieser verzweifelten Sachlage begannen die
englischen Führer, man kann genauer sagen, die eng
lischen Kunstfreunde, den Kampf mit Muth und Energie
und alsbald auch mit grossartigen Mitteln. Dies ist das
Resultat der Londoner Weltausstellung, von welcher
demnach ein heute bereits zum grossen Theil vollzo
gener Umschwung der modernen Kunstindustrie datirt.
Die englischen Bestrebungen begannen nicht ohne
Irrthümer, wie man z. B. darin irrte, dass man in einer
chamber of Horrors die crassesten Missgeburten des mo
dernen Geschmacks sammelte und dem Publicum vor
Augen stellte. Gerade diese wurden mit Vorliebe auf
gesucht und nachgeahmt. Man musste vielmehr durch
den Anblick des Edlen und Schönen das Auge zu bil
den trachten, sowohl das Auge des Künstlers und des
Arbeiters, wie das des Publicums. Dieser Gedanke ist
es, welcher die Kunstindustrie-Museen geschaffen, wel
cher zunächst zur Gründung des South-Kensington-
Museums geführt hat, das seit dieser Zeit der Mittel
punkt , die Seele aller englischen Bestrebungen zur
Reform des Geschmacks wurde, das der Vorführung
guter Muster eine literarische Agitation hinzugesellte
und endlich — und das ist der dritte Hauptpunkt —
eine Bildungsanstalt schuf für erfindende Künstler, die