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Full text: Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

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den Schliff, während das eigentlich geblasene Glas un 
mittelbar durch das Gebläse oder mit ergänzenden 
Nebenarbeiten fertig aus der Hand des Arbeiters her 
vorgeht. 
Diese beiden Hauptarten werden nicht beliebig 
neben einander geübt, sondern sie sind zugleich Eigen 
tümlichkeiten der Länder. Das Land des geblasenen 
Glases ist Italien und Venedig ist sein Sitz, während 
England und Oesterreich und von letzterem speciell 
Böhmen das geschliffene Glas vertreten. Die übrigen 
Länder bieten nichts Charakteristisches, es sei denn, 
dass man für Frankreich, das aber auf der Ausstellung 
damit nicht erschienen ist, das geätzte Glas, auf das 
wii noch zu sprechen kommen, in Anspruch nehmen 
wollte, so wie für Russland die orientalisirenden Gläser 
mit Emailfarben. Letztere sind bis jetzt aber nur 
Spielart, ebenso ist es auch mit den emaillirten deut 
schen Gläsern, die heute in Böhmen mehr als Curio- 
sität oder Abart imitirt werden. 
Das englische und das böhmische geschliffene oder 
Krystallglas scheiden sich aber stofflich und auf dem 
Unterschiede des Stoffes beruhen wieder verschiedene 
künstlerische Richtungen, so dass wir besser von drei 
Hauptarten zu reden haben, von der venezianischen, 
der böhmischen und der englischen. 
Das geblasene Glas, obwohl seine Procedur eben 
so sinnreich wie einfach erscheint, ist wohl die älteste 
uns bekannte Art. Auf alten ägyptischen Wandmale 
reien, mehrere tausend Jahre vor Christi Geburt, sehen 
wir bereits die Glasbläser mit ihren langen Pfeifen
	        
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