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Full text: Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

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vor dem Glasofen sitzen und die Flaschen blasen. Das 
sogenannte antike Glas, dessen Fragmente uns tausend 
fach erhalten sind, ist in der Hauptsache geblasen, 
doch mancherlei und ausgezeichnete Nebentechnik war 
damit verbunden. Das Beispiel des antiken Glases 
haben die Venezianer im Mittelalter aufgenommen und 
namentlich im sechszehnten Jahrhundert das ganze Genre 
zu einer solchen Höhe der Kunst geführt und in einer 
so angemessen eigenthümlichen Weise ausgebildet, dass 
durch sie der künstlerische Typus des geblasenen Glases 
ein für alle Mal festgestellt worden. Dieser Typus 
besteht in der papiernen Leichtigkeit des Materiales 
und in der freien (weil sie lediglich aus der Hand her 
vorgeht), edlen und meist eleganten Form. 
Im Laufe des achtzehnten Jahrhunderts verschwand 
der Typus. Schwere, plumpe Formen, dickes Material 
traten an seine Stelle und die venezianische Glasindu 
strie ging als Kunst zu Grunde. Um sie wieder zu 
erwecken, war es daher der allein richtige Weg, auf 
die Art und die Formen des sechszehnten Jahrhunderts 
zurückzugehen. Das ist seit kaum länger als zehn 
Jahren geschehen und zwar mit solchem Erfolge, dass 
die venezianischen Glasarbeiten heute aufs neue sich 
den anderen ebenbürtig in ihrer Eigenthümlichkeit zur 
Seite stellen und dass man selbst ihren künstlerischen, 
ihren formellen Einfluss überall in der Glasindustrie 
der übrigen Länder erkennt. Der Vorgang ist eben 
so lehrreich wie ermuthigend. Der klare Wille und 
die Energie eines einzigen Mannes, dem sich alsbald 
die Mitstrebenden angeschlossen haben, hat wieder ein- 
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