— 226 —
Wenn wir bisher auf das farblose, reine Krystallglas
den Hauptnachdruck gelegt haben, so wollen wir
darum das gefärbte oder farbig decorirte nicht verwerfen
Nur muss es allerdings gänzlich anders werden, als es
“h“ Bohmen geübt wurde und durch alle Lande
als Geschmackshebhaberei der ungebildeten Menge ging
W,r wollen die Fehler alle hier nicht wiederholen, dfe
wir zu unserem Bedauern noch massenhaft auf der Ausstellung
sehen. Und sehr häufig sind gerade diejenigen
tucke, welche als Paradepferde der Ausstellung dienen
die allerverwerflichsten. Dahin rechnen wir auch die
grossen und kleinen Vasen mit figürlichen Malereien
mit historischen Gemälden, mit Genrebildern, mit den
Brustbildern schöner Frauen, deren Schönheit, wie gross
sie immer sein mag, deren Malerei, wie vollendet auch
immer das ganze Genre vor der Verwerfung nicht
retten kann. Fragt nur den Kunstfreund und ihr werdet
sehen, er nimmt sich den einfachen altdeutschen Humpen
mit dem Reichswappen in roher Emailmalerei und
lasst eure sechs Schuh hohen Vasen stehen und würdigt
ie kunstgerechten, figurenreichen Bilder darauf vielleicht
keines Blickes. Und er hat völlig Recht. Ihr
schiesst über das Ziel hinaus, ihr treibt hohe Kunst
am Unrechten Orte, wo es sich einfach um Decoration
und Stoff- und zweckgemässe Bildung handelt. Arbeiten
cieser Art verderben ein künstlerisch eingerichtetes
Zimmer und schmücken es nPcht. Es kann das nicht
oft genug gesagt werden.
Suchen wir nach neuen Wegen und Beispielen von
ge arbtem Glase, dessen Reize wir den Gefässen und