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Bedürfnisse selbst am besten kennen lernen. Und darum
handelt es sich für uns, nicht um eine Kritik der Aus
steller selbst oder der einzelnen Leistungen. Wir con-
statiren mit Vergnügen, dass wir ausser ihm noch man
ches Gute finden, aber für jetzt wenig Selbstständig
keit. Ein paar Fabriken machen allerdings die Ausnahme.
H. Ullrich z. B. geht in verschiedener Weise mit eige
nen Neuerungen vor und oftmals nicht ohne Glück.
Seine Art, wie er bei dem feinen geschliffenen Tafelge-
schiir mit zierlichen Laubornamenten Farbe anzubrin
gen sucht (z. B. in Blau), könnte zu einem eigenen
Genre führen, das, wenn fein durchgebildet, als »Genre
Ullrich« Bestand und Ruf erhalten dürfte. Neben ihm
sehen wir bei »Schreiber und Neffen«, welche Fabrik
sich vorzugsweise des Talents des Architekten A. Hauser
bedient, selbst bei dem billigeren Tafelgeschirr höchst
zici liehe, echt künstlerisch vollendete Formen neben
anderen bedeutenderen und anspruchsvolleren Leistun
gen, die ebenfalls als gelungen zu betrachten sind. Je
nes Bestreben, auch die einfache Form ohne alles ver-
theuernde Ornament künstlerisch gut zu machen, muss
durchaus als richtig und verdienstlich erkannt werden,
denn nur so kann Gefühl und Kunstverständnis in
jedes Haus gelangen. Neben ihnen wollen wir noch
Reich u. Comp, nennen um des Werthes willen, den
diese Fabrik auf classisch einfache Formen und zierliche
Ornamente zu legen scheint.
Was wir sonst noch von europäischen Glasarbei
ten zu besprechen oder zu erwähnen haben, ist nicht
viel. Die Deutschen haben keine Selbstständigkeit und