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Full text: Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

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vortrefflicher, mitunter höchst reizender Gegenstände. 
Es handelt sich, wie es scheint, fast niemals mehr 
um das eigentlich Schöne, sondern um das Blendende, 
um das Neue und technisch Ueberraschende, so dass 
man fast sagen möchte, die englische Industrie (in 
diesem Zweige wenigstens) ist mit Capricen und bizarren 
Einfällen an die Stelle Frankreichs getreten. 
Nehmen wir als Beispiel die berühmte Fabrik von 
Minton und ihre grosse Ausstellung. Der erste Ein 
druck für den Kenner ist der, dass eben alles, was 
die Welt auf diesem Gebiete versucht hat, hier nach- 
geahmt worden; der zweite, dass ebenso die Technik, 
die bekanntlich verschiedentlich ihre Schwierigkeiten 
hat, keine Grenzen mehr zu kennen scheint. Wir sehen 
hier die italienischen Majoliken und die Palissy-Arbeiten, 
wir sehen hier die reizenden Henry-deux-Gefässe in 
aller ihrer Zierlichkeit des Ornaments und der Form 
nachgeahmt und zu Neuerungen benützt und zwar 
diesmal in der Eigenthümlichkeit ihrer Technik mit 
Incrustationen, deren Vollendung nichts zu wünschen 
übrig lässt; wir sehen ferner die verschiedenen orientali 
schen Faiencen, die persischen wie die chinesischen, 
mit ihren besonderen Farben, wie sie heute dei 
chinesischen Fabrikation nicht mehr gelingen, darunter 
das tiefe kaiserliche Gelb; wir sehen endlich verschiedene 
Neuerungen, darunter Imitationen der sonst in Porcellan 
ausgeführten Päte-sur-päte-Gefässe mit weissem Relief 
auf dunklem Grunde, Tafelgemälde in altdeutscher 
Art auf Goldgrund und eine gewisse Art von Schalen 
mit Vögeln und Blumen, in höchst virtuoser und treff-
	        
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