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zellanvasen der königlichen Manufacturen stehen in ver
einsamter Grösse da, als Denkmäler der Erinnerung für
eine vergangene Zeit und einen vergangenen Geschmack.
Vielleicht würde Sevres ihnen mit ähnlichen Arbeiten
Gesellschaft leisten, wenn nicht die Wucht der Begeben
heiten es fast ganz fern gehalten hätte. Wir sehen
nur in der Kunsthalle zerstreut einige grosse Vasen,
die wohl meist älteren Datums sind und den heutigen
Stand der Fabrik nicht charakterisiren. So wie die
Dinge heute stehen, ist das Porzellan auf den eigent
lichen Gebrauch von Tisch und Tafel reducirt, ein
Gebiet, das ihm nicht genommen werden kann, w’eil
es hier mit seinem eleganten Aeussern Vorzüge der
Solidität, Sauberkeit und Nettigkeit vereinigt, welche
das Faiencegeschirr mit seinem roheren und unvoll
kommeneren Material niemals wird erreichen können.
Wer dieses Kaffee-, Thee- und Speisegeschirr in der
angemessensten Weise zu formen und zu decoriren
versteht, dass es für sich Reize gewährt, gefällig die
Tafel schmückt und dabei zweckmässig bleibt, der
scheint uns heute in der Porzellanfabrication den Preis
zu verdienen. Die Gewaltstücke, die Riesenvasen, die
kunstvollen Gemäldecopien, und seien sie selbst nach
Rafael, sind nicht mehr zeitgemäss.
Das französische und das englische Porzellan be
finden sich in der Hauptsache heute auf diesem Stand
punkte. Wir schliessen dabei nach dem, was wir sehen,
und dieses gehört im Wesentlichen dem Gebrauche an
und hält sich in den Grenzen des Feineren und Zarteren.
Wir rechnen dahin auch die kleinen Blumenvasen